Wider die Sprachpanscher

Vielen Zeitgenossen geht die ansteigende Flut eingedeutschter Englischbegriffe gehörig auf die Nerven. Selbst in Bereichen wie IT oder HR, die von "Denglisch" besonders heimgesucht werden, fragt man sich immer mehr: Was rede ich eigentlich für ein dummes Zeug? Wem solche Gedanken bekannt vorkommen, dem spricht Wolf Schneider mit seinem neuen Buch "Speak German!" tief aus der Seele.

Joggen, klärt uns Schneider auf, Joggen heißt übersetzt eigentlich Schlendern, Trotten. Doch das ist im Fitnesswahn nicht vorgesehen. So geht es einem überall. Wohin man auch schaut, treiben Anglizismen ihr Unwesen. Hört sich zwar nach Englisch an, ist aber sprachlicher Müll: Handy Flatrate, Service Point, Fly-Ticket und so fort. Doch eine Hexenjagd aufs Englische, womöglich aus verletztem nationalem Stolz, ist Schneider zuwider. Längst für uns alltäglich gewordene Begriffe wie Sex, Party, Flirt oder Hobby könnten niemals präziser durchs Deutsche ersetzt werden. Der Lobrede auf solch knackige Importe schließen wir uns gerne an.

Sprachpanscher sind nicht die vom Leben bestraften "Gratler", wie man sie so zahlreich im bayerischen Raum antrifft. Sie finden sich vielmehr in erlesenen Kreisen, wie zum Beispiel Jil Sander. Die hanseatische Modezarin pflegt diesen Stil: "Mein Leben ist eine Giving-Story, man muss contemporary sein, das Future-Denken haben." Ihren Erfolg begründet sie mit einem "coordinated concept". Sie verfolgt die Idee, dass man "viele Teile aus einer collection miteinander combinen muss". Gewiss hat die "Audience" das alles von Anfang an auch "supported". Kurz: "Wer Ladysches will, searcht nicht bei Jil Sander."

Anglo-Manie kann heftige Schmerzen auslösen. Human Resources Departments sind in nahezu jedem Betrieb zu finden, wer spricht denn noch von der "Personalabteilung? Statt "Kundendienst wird dem Ungetüm Customer Relationship Management gehuldigt. Alles klar? Wohl kaum. Schneider weist darauf hin, dass Menschen viele Begriffe, die täglich verwendet werden, oft falsch verstehen. Gängige Anglizismen wie "Underdog" hält man für einen Unterrock, "Drop-out" für einen Bonbonautomaten und "Patchwork" für eine Fliegenklatsche, wie eine repräsentative Studie zeigte. Und dies: "Powered by Emotion", der einstige SAT1-Slogan, wurde mehrfach mit "Kraft durch Freude" übersetzt.

Doch wie geht es weiter, wie machen wir es besser? Indem wir englische Begriffe durch deutsche ersetzen, empfiehlt Schneider: Startuhr statt Countdown, Schnellkost statt Fastfood, Aktionärsnutzen statt Shareholder-Value. Man sieht, so leicht ist das nicht. Ehrlich gesagt beschleicht einen das Gefühl, das sei doch keine angemessene Alternative. Rechner statt Computer, das geht ja noch. Aber Netzauftritt statt Website, Pauschale statt Flatrate? Irgendwie ist da der Wurm drin, das müsste Schneider eigentlich wissen. Schrottanleihen für Junkbonds, okay. Aber Prallkissen statt Airbag?

Unter dem Strich ist "Speak German!" ein meist kurzweiliges Buch, bisweilen mit erhobenem Zeigefinger geschrieben, was sich der Autor eigentlich hätte ersparen können. Höhnisch hält uns Schneider den Spiegel vor: Wir Deutschen lassen es mit dem unnötigen Import von Wörtern aus dem Englischen nicht bewenden. Mit Showmaster, Dressman oder Twen erfinden wir sogar Begriffe, die kein Engländer verstehen würde. Wer für solchen Spott zu haben ist, muss das Buch unbedingt lesen.
 
Von Josef Bierbrodt