Wenn der Headhunter klingelt

Längst stehen nicht mehr nur Führungskräfte im Visier der Headhunter. Auch wer als Spezialist oder Fachkraft in seiner Branche positiv auffällt, kann fast sicher sein, dass er eines Tages einen Personalberater am Telefon hat.

Herausragende Fach- und Führungskräfte sind eine seltene Spezies. Unternehmen, die hoch qualifizierte Mitarbeiter suchen, greifen daher immer öfter auf externe Berater zurück, die ihnen bei der Suche nach der Nadel im Heuhaufen behilflich sind. Executive Search oder auch Headhunting nennt sich die Dienstleistung, die sich seit den 50er Jahren in den USA und seit rund 30 Jahren auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit erfreut. Der größte Vorteil: Das Unternehmen muss sich nicht mit langwierigen Such- und Auswahlverfahren beschäftigen, sondern bekommt die besten Kandidaten auf dem Tablett serviert. Die Dienstleistung hat natürlich ihren Preis: Headhunter lassen sich ihre Arbeit mit bis zu einem Drittel des Jahresgehalts honorieren, das der vermittelte Manager bei Anstellung erhält.

Diskrete Anrufe
Der erste Anruf erfolgt meist überraschend. Können Sie gerade frei sprechen? Ist ein beliebter Eingangssatz, denn Diskretion ist das A und O im Headhunting-Geschäft. Wer solch einen Anruf erhält, sollte erst einmal Ruhe bewahren, die Bürotür schließen - oder sich später erneut anrufen lassen, falls er gerade nicht ungestört reden kann. Das erste Telefonat dauert ohnehin meist nur wenige Minuten. Es geht zunächst darum herauszufinden, ob der Kandidat überhaupt Interesse hat und grundsätzlich auf die zu besetzende Stelle passt, erklärt Michael Leysieffer, Bereichsleiter bei Kienbaum Executive Consultants in Frankfurt. Fragen zur Funktion, dem Verantwortungsbereich, aktuellen Projekten, Ausbildung und internationaler Erfahrung dienen dazu, dem Headhunter einen ersten Eindruck über die Person zu verschaffen - denn meist kennt er nicht viel mehr als den Namen des potenziellen Kandidaten. Signalisiert der Angerufene Interesse, wird ein weiterer Termin vereinbart, bei dem es um Details geht. Erst hier wird in der Regel auch der Name des Auftraggebers genannt, für den der Headhunter tätig ist.

Vorstellungsgespräche und eventuell sogar ein Assessment-Center in den Räumen des Personalberaters sollen klären, ob der Kandidat tatsächlich in die engere Auswahl kommt. Je nach Position, die zu besetzen ist, sprechen wir bis zu 100 potenzielle Kandidaten an, so Michael Leysieffer. Dem Kunden stellen wir nur noch die rund fünf Besten vor. Nach weiteren Gesprächen im Unternehmen entscheidet der Auftraggeber schließlich, ob und welcher der Kandidaten eingestellt wird. Aufgabe des Headhunters ist es auch, die Anwärter fundiert auf die Gespräche vorzubereiten. Wir sehen uns als Berater für beide Seiten: für das Unternehmen, aber auch für den Kandidaten, so Leysieffer. Schließlich wollen wir, dass alle Beteiligten mit ihrer Wahl zufrieden sind.

Sich aktiv ins Gespräch bringen
Die wenigsten Fach- und Führungskräfte sind aktiv auf der Suche nach einer neuen Aufgabe, wenn sie das erste Mal von einem Headhunter kontaktiert werden. Doch wir stoßen häufig Denkprozesse an, so Michael Leysieffer. Wer schon länger im Unternehmen oder nicht ganz zufrieden mit seiner Aufgabe ist, wer keine Entwicklungsperspektiven sieht oder nicht international arbeiten kann, lässt sich häufig auf die Gespräche mit Headhuntern ein.

Merkt ein Manager, dass er sich in seiner jetzigen Position nicht wohl fühlt, kann er auch selbst einen Personalberater kontaktieren. Wunder sollte er jedoch keine erwarten, denn Aufgabe der Personalberater ist es nicht, aktiv für Einzelpersonen auf Stellensuche zu gehen. Sie agieren stets im Auftrag eines Unternehmens. Michael Leysieffer rät, sich Namen von Personalberatern zu notieren, die man von vorherigen Anrufen kennt. Wenn man zum Zeitpunkt des Anrufs noch nicht bereit war, den Arbeitsplatz zu wechseln, kann sich die Situation in einigen Monaten ja schon verändert haben.
 
Von Sabine Olschner