Wege aus dem Motivationsloch

Mal wieder einer dieser Tage, wo man am liebsten im Bett bleiben würde? Keine Lust aufs Büro? Die Kollegen nerven? Jeder Arbeitsschritt wird zur Qual? Ein typischer Fall von Motivationsloch. Experten geben Tipps, wie die Arbeit wieder Spaß machen kann.

Die aktuelle Umfrage des Forschungsinstituts Gallup brachte es erneut an den Tag: Die meisten Beschäftigten in Deutschland sind im Job demotiviert. 70 Prozent der Mitarbeiter, so das aktuelle Ergebnis, verrichten nur noch "Dienst nach Vorschrift", gerade einmal 15 Prozent empfinden ihre Arbeit als befriedigend. Die Zahlen stagnieren seit Jahren. Gründe für die Demotivation gibt es viele: eintönige Aufgaben, fehlendes Wissen über die Ziele, die mit der eigenen Arbeit erreicht werden sollen, persönliche Bedürfnisse, die nicht befriedigt werden - oder auch einfach: der falsche Job. Statt zu warten, dass sich etwas an der Situation ändert, sollte man lieber selbst etwas tun: "Nicht jammern, sondern gestalten", rät Stefan Frädrich, Motivations-Coach und Autor der Buchreihe über Günter, den inneren Schweinehund. "Wer sich erst einmal in eine Opferrolle begeben hat, fühlt sich passiv und wird seine Lage niemals zum Positiven wenden können."

Handelt es sich nur um ein kleines Motivationsloch - das Wetter ist zu schön, um zur Arbeit zu gehen, der Tratsch der Kollegen stört den Arbeitsfluss, zu viele E-Mails wollen bearbeitet werden - gibt es kleine Tricks, um sich selber zu motivieren: "Gestalten Sie Ihren Arbeitsplatz netter oder belohnen Sie sich, zum Beispiel mit einer längeren Mittagspause", so die Tipps von Personality-Coach Carsten Schölzki. Stefan Frädrich empfiehlt bei kleinen Motivationshängern, seine Arbeitszeit den persönlichen Bedürfnissen anzupassen, die Tür gegen lästige Störungen zu schließen oder Zeitfresser zu eliminieren.

Schwieriger wird es, wenn die Unlust an der Arbeit chronisch wird: Man mag morgens gar nicht mehr aufstehen, sieht keinen Sinn mehr in seinem Job und würde am liebsten alles hinwerfen. "Gegen solch einen Zustand sollte man angehen, denn auf Dauer zehrt solch eine Situation einen auf", warnt Carsten Schölzki. Sein Tipp: "Versuchen Sie einmal, jemand anderem Ihren Job zu verkaufen. Wenn Sie einem Bekannten von Ihren Aufgaben vorschwärmen, werden Sie merken, welche Vorzüge Ihre Arbeit hat." Oder eine drastischere Maßnahme: "Gehen Sie einen Vormittag lang ins Arbeitsamt und schauen Sie sich die Leute dort an. Danach werden Sie froh sein, eine feste Arbeitsstelle zu haben."

Stefan Frädrich rät, die Gründe für die Demotivation zu suchen: "Fragen Sie sich als erstes, welchen Sinn Ihre Arbeit hat." Denn nur wer weiß, was das Unternehmensziel ist und welche Rolle er bei der Zielerreichung spielt, geht motiviert an seine Aufgaben heran. Schlecht informierte Mitarbeiter sind frustriert, weil sie den Gesamtzusammenhang ihrer Aufgabe nicht verstehen. Häufig entstehe Frust auch durch Termindruck, so Frädrich weiter. "Dann ist es gut, sich im Arbeitsalltag kleine Ruhe-Inseln zu schaffen und sich konsequent auf das Wichtigste zu konzentrieren."

Wenn man tatsächlich keinen Sinn mehr in seiner Arbeit sieht und auch Gespräche mit dem Chef keine Änderung gebracht haben, sieht Personality-Coach Carsten Schölzki nur einen Ausweg: den Job zu wechseln. Aber: "Bevor Sie wechseln, sollten Sie sich auf jeden Fall klar machen, was Sie wollen. Ansonsten landen Sie erneut in einem Job, der Ihnen keinen Spaß macht." Fakt ist: Nicht wenige Menschen verrichten einen Job, der gar nicht zu ihnen passt. In einer ruhigen Minute sollte man sich also überlegen, wo die eigenen Stärken liegen und mit welchen Aufgaben man sich langfristig wohlfühlen würde.

Das Wichtigste ist, nicht passiv zu bleiben, wenn man merkt, dass die Arbeit keinen Spaß mehr macht. Stefan Frädrich bringt die Möglichkeiten auf den Punkt: "Love it, change it or leave it" - liebe Deinen Job, ändere etwas daran oder such Dir etwas anderes. "Aus Angst, den Job zu verlieren, halten leider viel zu viele Menschen viel zu lange still. Viel besser ist die Einstellung: Ich kann mein Leben selbst in die Hand nehmen", so Frädrich. Nur dann besteht die Chance, wieder jeden Morgen motiviert an die Arbeit zu gehen.
 
Von Sabine Olschner