Was der MBA wert ist

Der MBA - Master of Business Administration - ist ein beliebter, aber auch ein teurer Studienabschluss. Nicht selten zahlen Teilnehmer einen fünfstelligen Betrag für ihr Studium. Lohnt sich der finanzielle Einsatz? Bekommen Absolventen mit den drei Buchstaben tatsächlich nach dem Studium mehr Gehalt?

Glaubt man diversen Studien, so setzen sich MBA-Absolventen offensichtlich ins gemachte Nest: Gehaltssteigerungen von mehr als 30.000 US-Dollar sind laut einer aktuellen Studie des Graduate Management Admission Council (GMAC) nach einem erfolgreichen MBA-Vollzeitstudium völlig normal. Der MBA-Messen-Veranstalter QS TopMBA spricht von einem Durchschnittseinkommen über 90.250 US-Dollar. Das hört sich zunächst verlockend an.

Doch solche Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen. Zum einen sind die Gehaltschancen in unterschiedlichen Branchen unterschiedlich groß. Beratungsunternehmen und Finanzdienstleister zahlen ihren Mitarbeitern in der Regel grundsätzlich mehr als Industrie- und Technologieunternehmen, ganz zu schweigen von Handels- oder Dienstleistungsfirmen. Auch je nach Unternehmensgröße gibt es erhebliche Gehaltsunterschiede. Zum anderen muss man bei den Statistiken bedenken, mit welchem Eingangsgehalt die MBA-Absolventen nach ihrem Abschluss in die Verhandlungen gegangen sind: So wird ein Jurist, der schon vor dem MBA gut verdient hat, vermutlich einen weitaus kleineren Gehaltssprung machen als ein Geisteswissenschaftler, dem sich mit dem internationalen Abschluss ganz neue Chancen eröffnen. Darüber hinaus wird der Anstieg bei einem jüngeren Mitarbeiter sicherlich prozentual höher ausfallen als bei einem erfahrenen Kollegen, der schon vor dem MBA ein paar Gehaltserhöhungen hinter sich hatte.

Sicher ist, dass ein MBA den Zugang zu bestimmten Führungspositionen erleichtert. Ob damit immer auch ein höheres Salär einhergeht, dafür gibt es keine Garantie. Die Durchschnittswerte, die die Business-Schulen - natürlich auch aus Imagezwecken - veröffentlichten, können daher immer nur Anhaltspunkte liefern. Es sind Fälle bekannt, in denen Statistiker die Absolventen, die nicht gleich nach ihrem Abschluss einen Job gefunden haben, einfach aus der Statistik fallen lassen. Auch wenn bei der Berechnung des Durchschnittsgehalts das arithmetische Mittel und nicht der Median gewählt wird, treibt es die Gehaltszahlen schnell nach oben: Denn mit ein paar außergewöhnlich hohen Gehältern als "Ausreißer" sehen die Zahlen mithilfe dieses mathematischen Tricks gleich viel besser aus. Letztlich kommt es immer auf das eigene Verhandlungsgeschick im Gehaltsgespräch an.

Wichtig für die Gehaltsverhandlung ist auf jeden Fall nicht nur der Abschluss selbst, sondern auch die Schule, an der er erworben wurde. So haben renommierte Business Schools wie Insead oder die London Business School einen höheren "Marktwert" als kleinere, unbekannte Schulen. In Amerika sind unter anderem Harvard und Wharton Schulen mit einem exzellenten Ruf - den sie sich jedoch auch gut bezahlen lassen. Mittlerweile haben auch deutsche Business Schulen aufgeholt und können mit ihren Wettbewerbern aus dem Ausland mithalten. Sie haben den Vorteil, dass man sich das oft kostspielige Leben in Städten wie London, Paris, New York oder Tokio erspart. Aber auch hier sollte man auf Qualität, unter anderem in Form einer offiziellen Akkreditierung achten. Spätestens im nächsten Vorstellungsgespräch wird es sich auszahlen, ein besseres - und damit meist auch teureres - MBA-Programm gewählt zu haben als ein billiges, das den Unternehmen als potenziellen Arbeitgebern völlig unbekannt ist.

Nicht für alle, die einen MBA anstreben, wird sich das Engagement also rechnen. Wer einen Kredit aufnehmen muss, um die Studiengebühren von 50.000 Euro und mehr zu bezahlen, sollte es sich genau überlegen. Bei einem Vollzeitstudium kommen zudem zwei unbezahlte Studienjahre hinzu, die man finanziell überbrücken muss. Glück hat, wer den MBA über seinen Arbeitgeber finanziert bekommt. Zum einen sitzt er nach dem Studium nicht auf einem Berg von Schulden, zum anderen bietet das Unternehmen ihm nach dem Studium oft eine lukrative Stelle an. Aber auch hier gilt: Einen MBA-Bonus gibt es dabei nicht automatisch.
 
Von Sabine Olschner