Warum blinder Aktionismus selten zum Ziel führt

Besonders im Berufsleben gibt es oft Phasen, in denen man unter Druck steht. Viele reagieren darauf hektisch und wollen direkt handeln. Man mag es kaum glauben, aber in vielen Situationen ist es sinnvoller, wenn man statt großem Aktionismus erstmal eine Sache liegen lässt. Auf diese Weise wird man nämlich nicht vom Chaos überschüttet und gewinnt einen klareren Blick auf die Dinge, was für eine Lösung sehr hilfreich sein kann. Denn ganz von alleine verschwindet das Problem durch das Aufschieben natürlich auch nicht. Die Devise heißt also einen freien Kopf zu bekommen, aber nicht vor dem Problem wegzulaufen. Die Variante des Ignorierens kann dagegen nämlich schwerwiegende Folgen haben und man wird resistent gegenüber Warnungen. 

Nun aber wieder zum eigentlichen Plan, dem Abwarten. Wer denkt, dass man keine Entscheidung abgibt, wenn man sich nicht direkt entscheidet, der irrt. Denn beim Entscheiden ist es wie beim Kommunizieren: Man kann nicht nicht kommunizieren, also kann man auch nicht nicht entscheiden. Man entscheidet sich mindestens gegen die Alternativen, gibt also auch eine Entscheidung ab. Schnelle impulsive Entscheidungen führen oft zu Fehltritten. Das "Aufschieben" hingegen kann dafür sorgen, dass sich manche Dinge von ganz alleine erledigen. Oder man verfügt an einem späteren Zeitpunkt bereits über mehr Informationen und einem sind kreativere Ideen eingefallen. Oder die eigentlich perfekte Lösung stellt sich doch nicht als so toll dar. Oder oder oder… 

Natürlich ist Abwarten nicht immer leicht, besonders wenn drum herum der Bär tobt. Aber wie sagt der Rheinländer: "Et hätt noch immer jot jejange!" Und am Ende wird fast immer der Ruhe ausstrahlende Wohlüberlegte dem impulsiven Hektiker überlegen sein. Die Hirnforschung belegt das: Wenn man sich in extremen Stresssituationen befindet, ist klares Denken fast undenkbar. Ebenso lassen Empathie, analytisches Denken und Improvisation nach und der Körper schaltet in eine Art Stand-by-Modus, in welchem er sich nur noch auf das Wesentliche beschränkt.