Warum Drogen im Büro Trend sind

Der Stress im Büro ist kaum noch auszuhalten. Doch wer wird deshalb gleich in die Luft gehen? Da Sex sowie Rock and Roll nicht als Problemlöser taugen, greift man eben zur Droge. 800.000 Beschäftigte tun dies regelmäßig, wie die Krankenkasse DAK in einer Umfrage ermittelte.

Die Meldung passt in die Krise wie der berühmte Deckel auf den Topf: Lieber wird eine Pille zur Leistungssteigerung eingeworfen, als den Irrsinn, der sich unprätentiös Büroalltag nennt, grundsätzlich in Frage zu stellen. Hier die beflissenen Leistungsträger, die sich mit gepanzerten Ellenbogen hurtig ihren Weg bahnen; dort die auserkorenen High Potentials, die sich zielstrebig die unlauteren Methoden des Karrierebastelns aneignen. Nicht zu vergessen die schweigende Mehrheit, die destruktiv-trotzig dem nahenden Wochenende entgegenfiebert: Ihnen allen hilft die Pharmaindustrie rasch aus der Not.

Leistung oder Laune mit Medikamenten auf Trab zu bringen ist absolut angesagt. Immerhin sechs von zehn Beschäftigten würden hin und wieder zu Mitteln greifen, die ihnen eine Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit versprechen. Was einem der Apotheker mangels Rezept nicht gibt, beschafft man sich flugs unter Freunden, Kollegen oder im Versandhandel - ein Mausklick genügt. Knapp eine Million, so die DAK, werfen die chemischen Muntermacher regelmäßig ein.

Mit Psychopharmaka gegen den täglichen Stress
Die Geschmäcker sind laut DAK verschieden. Während Männer ihren Akku aufladen und wieder volle Betriebsamkeit demonstrieren wollen, polieren Frauen dank der Pillen ihre Stimmung auf. Freilich wird den gestiegenen Anforderungen im Job, bisweilen mit dem Begriff Arbeitsverdichtung nebulös umschrieben, nicht mit den Klassikern unter Muntermachern wie Alkohol, Koffein oder Koks begegnet. Bevorzugt werden Psychopharmaka, die eigentlich gegen nächtliche Schnarchattacken oder fortschreitende Demenz verabreicht und nun stets griffbereit in der Schublade gebunkert werden. Von drohenden Nebenwirkungen wie Kopfweh, Übelkeit oder Gewichtsabnahme lässt sich anscheinend niemand einschüchtern.

Also, höchste Zeit, dem sinnlosen Pillenverzehr ein Ende zu setzen. Ab und zu ein Päuschen einlegen scheidet als Alternative leider aus. Es gibt immer jemanden, der das als mutwillige Arbeitsverweigerung falsch versteht. Und Arbeit generell zu verbieten, kommt ebenfalls nicht in Frage, schließlich müssen wir ja irgendwie aus der Krise herauskommen. Wer unbedingt Durchhaltevermögen, Konzentration und Leistung steigern will, kann doch Kaffee einlitern, Sport treiben oder sich weiterbilden. Pillen einwerfen ist dagegen uncool.

Von Max Leonberg