Vorsicht Tretminen

Ob es um den Aufstieg aus den eigenen Reihen oder die Übernahme eines neuen Führungsjobs in einem anderen Unternehmen geht, die Wechselsituation hat stets ihre Tücken. Wer eine neue Führungsaufgabe übernimmt, sollte sich daher gut vorbereiten.

Der größte Stolperstein sind unrealistische Erwartungen, sagt Sabine Dembkowski. Weil sie sich selbst beweisen wollen, stellten viele Führungskräfte zu hohe Erwartungen an sich selbst und ihre Mitarbeiter. Wer dann scheitert, verliert seine Glaubwürdigkeit, warnt die Geschäftsführerin vom Coaching Centre in Köln und London, die anhand von Forschungsergebnissen die typischen Fallen beim Führungswechsel herausgearbeitet und ein entsprechendes Beratungskonzept entwickelt hat.
Ein häufiger Fehler sei es auch, sich nicht von seinem alten Job zu lösen. Viele nehmen ihre alte Identität mit und verweisen ständig auf ihre Erfolge im letzten Job, weiß Dembkowski. Oftmals wird das - meist unbewusst - auch noch symbolisch unterstützt. Da werden dann Auszeichnungen und Fotos vom letzten Arbeitsplatz im neuen Büro aufgehängt. Doch gerade symbolische Signale haben eine enorme Wirkung. Man sollte sich vorher überlegen, wie man sich positioniert, erklärt die Beraterin. Ein harter Sanierer müsse anders auftreten als ein Vorgesetzter, der ein erfolgreiches Team übernimmt.

Wichtig ist, dass Sie als Person bei Ihren neuen Mitarbeitern ankommen, erklärt Rüdiger Schulz, Senior Consultant bei der Fischer Group International GmbH in Hamburg. Die wollen wissen, wer Sie sind und welche Vorstellungen und Erwartungen Sie haben. Viele machten den Fehler, dass sie zu sehr auf sachliche Dinge fokussieren.

Wilder Aktionismus schadet dabei fast immer, auch wenn der Druck von oben groß ist. Statt sich sofort in die Arbeit zu stürzen, gilt es zunächst die Rahmenbedingungen und die aktuelle Situation des Unternehmens zu verstehen. Viele haben kein klares Bild, wo sie da hineinspringen, sagt Achim Mollbach, Bereichsleiter Human Resource Management bei der Kienbaum Management Consultants GmbH in Düsseldorf. Vor allem die informellen und mikropolitischen Strukturen und die Erwartungen der verschiedenen Seiten würden oft sträflich vernachlässigt. Bei Kienbaum verzeichnet man seit etwa zwei Jahren eine steigende Beratungsnachfrage bei Jobwechslern. Manager müssen sich heute schneller positionieren und schneller Entscheidungen treffen, beobachtet Mollbach.

Als Führungskraft sei man auch Botschafter des Managements, erklärt Berater Schulz. Damit stehen Sie automatisch zwischen den Interessen Ihrer Mitarbeiter und den Anliegen der Geschäftsführung und müssen deren Entscheidungen umsetzen. Das erfordere es oftmals auch, seine bisherigen Annahmen zu überprüfen und gegebenenfalls revidieren.

Immer mehr Unternehmen erkennen, wie wichtig es ist, die Weichen gleich zu Beginn richtig zu stellen und unterstützen ihre Mitarbeiter dabei durch Coaching oder spezielle Seminare. Die Nachfrage ist groß, sagt Schulz. Dabei bietet die Fischer Group neben dem Einzelcoaching auch das Internet-Programm Leadership Transition Online an. Das Angebot soll Führungskräften helfen, das neue Terrain zu sondieren und ihre neue Rolle klar und aktiv anzugehen. Dabei wird zunächst die individuelle Situation abgefragt. Ist man ein Aufsteiger aus den eigenen Reihen oder kommt man sogar aus einem anderen Kulturkreis? Wann hat man die neue Position übernommen? Danach bekommt der Teilnehmer jede Woche entsprechende Aufgaben zugeordnet. Zudem gibt es Informationen zu den verschiedenen Phasen des Wechsels, typischen Themen, Empfehlungen, Tipps und Leitfäden. Dabei werden gerade die weichen Faktoren häufig unterschätzt. Die Mitarbeiter achten sehr genau darauf, ob der neue Chef ihnen auch genug Wertschätzung entgegen bringt, mahnt Schulz. Wer alles gleich radikal verändern wolle, der werte damit automatisch alles Bisherige ab. Sein Tipp: Brechen Sie wichtige Veränderungen nie übers Knie.
 
Von Bärbel Schwertfeger