Vor dem erneuten Dotcom-Crash

Nachdem die globale Wirtschaft in den Abwärtssog geraten ist, bleiben auch die Internet-Firmen nicht vom "Credit Crunch" verschont. Rette sich, wer kann. Denn die Blase steht kurz vor dem großen Knall.

Nun mal halblang, hieß es noch vor wenigen Wochen in der Start-up-Szene. Die gegenwärtige Krise sei überhaupt nicht mit dem Abgesang der New Economy im Jahr 2001 zu vergleichen. Durch die Bank seien die Geschäftsmodelle sattelfest, niemandem werde Geld hinterher geworfen wie in den unseligen Zeiten.

Alarm zurück? Derlei Naivität könnte sich bitter rächen. Schließlich müssen sich die mit Venture Capital erneut hoch verschuldeten Firmen nach der Decke strecken. Steigt die "Burn rate", werden also Millionen wegen fehlender Anzeigen oder mangels fest eingeplanter Einnahmen "verbrannt", müssen Arbeitsplätze in Windeseile abgebaut werden. Das fordern nun die Investoren. Außer ein paar PCs kann man ja sonst nichts abstoßen.

Jobs in Gefahr
Ein Gefühl dafür, was der Internet-Wirtschaft womöglich noch bevorsteht, vermittelt die Website TechCrunch.com. Minutiös aktualisiert der US-Dienst die "Lay-offs" in der IT-Industrie: Zwischen Ende August und Ende Dezember bauten 313 Firmen Arbeitsplätze ab. Rund 115.000 Fach- und Führungskräfte verloren ihren Job. Während gestandene IT-Konzerne wie Unisys, Alcatel-Lucent oder Western Digital Tausende Mitarbeiter auf die Straße setzten, schlugen Start-ups, meist mit weniger als 100 Arbeitsplätzen, ebenfalls tiefe Kerben in ihren Personalkostenblock. Selbst Google, Yahoo oder LinkedIn, eigentlich vom Erfolg verwöhnte Dotcom-Stars, ziehen knallhart ihre Sparprogramme durch.

Anders als vor acht Jahren bleibt den meisten Firmen ein Gang an die Börse verwehrt. Nach den negativen Entwicklungen wurde diese Exit-Strategie erschwert. Also verbleibt nur die Aussicht auf Übernahme durch finanzkräftige Industrieunternehmen. Doch auch die bauen Personal ab. Geht es nun sogar den zuletzt gehätschelten Firmen à la StudiVZ an den Kragen? Ziehen sich gewiefte Start-up-Dealer wie die Samwer-Brüder, die mit Firmenübernahmen und zeitig realisierten Verkäufen ein Millionenvermögen angehäuft haben, aus dem überhitzten Business zurück? Und was wird aus den hochgejubelten Web-2.0-Dotcoms, den Playern des sogenannten Mitmachnetzes, sollte die Blase erneut platzen? Klar ist: Wer heute auf der Payroll einer Internet-Company steht, sollte sich nicht mit beschwichtigenden E-Mails aus der Chefetage zufrieden geben. Die Party könnte schneller zu Ende sein als gedacht.

Von Josef Bierbrodt