Versicherungsvertreter will niemand werden

In der Beliebtheitsskala von Berufen landen Arzt, Pilot oder Unternehmer stets auf vordersten Plätzen. Auf die Frage nach den unbeliebtesten Jobs sind die Deutschen ebenfalls einer Meinung. Versicherungsvertreter zu werden kommt für die meisten nicht in Frage. Da kann der freundliche Herr von der Hamburg-Mannheimer noch so nett in die Kamera lächeln.

Wer Policen vermittelt oder unerwartet an der Haustür klingelt, hat das geringste Ansehen unter Bundesbürgern. Nur drei Prozent bringen diesem Beruf viel Achtung entgegen. Überraschendes in umgekehrter Richtung: Der Beruf des Journalisten weckt größeren Respekt als die "Götter in weiß". Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Hamburger Agentur Faktenkontor. Zusammen mit dem Marktforscher Toluna hatte sie 1000 Bürger befragt.

Putzfrau schlägt Versicherungskaufmann
Allianz und Co. können sich noch so mühen - die öffentliche Wahrnehmung der Versicherungsvertreter ist schlicht unvorteilhaft. Selbst wohlwollende Befragte wiegeln ab. Sogar Personen, die den Beruf durchaus ergreifen würden, bringen ihn mit Begriffen wie "Aufquatschen" (48 Prozent) oder "Klinkenputzen" (43 Prozent) in Verbindung. 42 Prozent stört der existenzielle Erfolgsdruck, der dem Beruf anhaftet. Drei Viertel der Befragten, die den Beruf des Versicherungsvertreters ablehnen, verwenden sogar den Begriff "Übers Ohr hauen" in ihrer Beschreibung. Selbst unter den Wohlwollenden tut dies jeder Dritte.

Würde die Tochter oder der Sohn plötzlich den Wunsch äußern, sie möchten um alles in der Welt Policen verkaufen, ist die Reaktion absehbar. Jeder Dritte wäre strikt dagegen. Umgekehrt würde nur jeder Zehnte seinem Kind dazu raten. Selbst Putzfrauen genießen höhere Wertschätzung unter den Bürgern. Würden 21 Prozent diesen Beruf keinesfalls ausüben, lehnen immerhin 45 Prozent die berufliche Versicherungskarriere ab.

Politikberuf unbeliebt
Eine weitere Überraschung sind Banker. Obwohl ihnen monatelang die Schuld für die größte Finanz- und Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg in die Schuhe geschoben wurde, ist die Arbeit eines Bankkaufmanns lediglich für 15 Prozent der Bürger unattraktiv. Einen deutlich schwereren Stand haben hingegen Politiker. Parlamentarischer Arbeit nachzugehen kommt für 30 Prozent überhaupt nicht in Frage. Nicht anders ergeht es dem Fernfahrer, dessen Job ebenso abgelehnt wird.

Freilich ist die Umfrage nicht sonderlich ernst zu nehmen. Schließlich entfallen auf Straßenkehrer, Landwirt, Grundschullehrer und Putzfrau nahezu identische Werte. Dass Mediziner einen anstrengenden, aber durchaus erfüllenden Beruf ausüben, war zu erwarten. Dass sie aber in der Bewertung von Journalisten übertrumpft würden, gewiss nicht. Fragt zum Beispiel Allensbach nach der Beliebtheit von Berufen, landen die Vertreter der "vierten Gewalt" meist unter ferner liefen.
 
Von Max Leonberg