Vergütung für viele Firmen problematisch

In der Krise treten Unternehmen massiv auf die Kostenbremse. Dabei muten sie ihrem Personal viel zu - neben Entlassungen ist vor allem die Vergütung ein heikles Thema. Mittelfristig schneiden sie sich damit ins eigene Fleisch, zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von Watson Wyatt.

Entlassungen, Einstellungsstopps, Einkommensbegrenzungen - im Bemühen, Personalkosten einzusparen, geht es in vielen Betrieben ans Eingemachte. Doch eine um den unbestritten größten Kostenblock entschlackte Bilanz könnte sich später als großer Irrtum erweisen. Davon ist die Unternehmensberatung Watson Wyatt überzeugt. Wer nach diesem Muster agiere, würde lediglich Führungskräfte in ihrer Leistungsbereitschaft bremsen und deren Bindung ans Unternehmen untergraben.

Personalkosten intelligent reduzieren
"Unternehmen setzen ihren künftigen Erfolg und das Durchstarten im Aufschwung aufs Spiel", warnt Thomas Haussmann, verantwortlich für die Studie. 200 Unternehmen hatte Watson Wyatt befragt, wie sie ihre Personalkosten reduzieren. 43 Prozent wollen Mitarbeiter entlassen, 70 Prozent bereits budgetierte Gehaltserhöhungen zurücknehmen. Das größte Problem ist aber, dass viele Unternehmen wahllos ihre Mittel streuen. Immerhin zwei Drittel verteilen ihre Gelder nach dem Gießkannenprinzip statt es - wie Watson Wyatt empfiehlt - zielgerichtet in Schlüsselpositionen zu investieren.

Das sind nicht nur sogenannte Leistungsträger. Auch Mitarbeiter, die über besondere Talente verfügen und stets überdurchschnittliche Ergebnisse abliefern, sollten laut Watson Wyatt viel stärker als bisher üblich gefördert werden. Vielfach würden sie sogar übersehen, kritisiert Haussmann. Damit kritisiert er Personalmanager, die gern behaupten, ihre Vergütungs- und Beurteilungsprogramme auf Schlüsselkräfte auszurichten, es de facto in der Praxis aber nicht tun.

Loyalität erhöhen
Haussmann zufolge werden Unternehmen für ihre unzureichende Vergütungspraxis später bitter bezahlen müssen. "Ist die Bindung dieser Mitarbeiter an das Unternehmen einmal beschädigt, zeigt sich das spätestens dann, wenn sich die Wirtschaft erholt", so der Vergütungsexperte. Freilich gibt es auch Unternehmen, die sich ernsthaft bemühen, die Loyalität ihrer Fach- und Führungskräfte zu erhöhen. Drei von vier Betrieben intensivieren zu diesem Zweck die Kommunikation und unterrichten ihre Mitarbeiter schnell und offen über Veränderungen und Geschäftsentwicklungen. Nahezu jede zweite Firma verpflichtet das Top-Management zu stärkerer Präsenz.

41 Prozent führen intensive Gespräche mit der Belegschaft über Vergütungsfragen und 35 Prozent erwägen, Mentorenprogramme einzuführen oder auszubauen. Besonders in Krisenzeiten sollten Unternehmen ihre Mitarbeiter über ihre geschäftliche Situation auf dem Laufenden halten. Das gilt auch für Veränderungen in der Vergütungspolitik - selbst wenn man damit keine guten Nachrichten überbringt, empfiehlt Haussmann den Verantwortlichen. "Eine ehrliche und glaubwürdige Kommunikation zahlt sich langfristig aus."
 
Von Max Leonberg