Unzufrieden im Job

Glaubt man verschiedenen Studien, so sind 85 bis 90 Prozent aller deutschen Arbeitnehmer mit ihrem Job unzufrieden und denken über einen Wechsel des Arbeitgebers nach. Das hilft allerdings nichts, meinen die Autoren Volker Kitz und Manuel Tusch: Der neue Job wird genauso frustrierend sein wie der alte - solange man nichts an sich selbst ändert.

Gehören auch Sie zu den Menschen, die schon am Sonntagnachmittag ein schlechtes Gefühl beschleicht, wenn sie an den montäglichen Arbeitsbeginn denken? Schimpfen Sie auch über Ihren Chef, der die Arbeit seiner Mitarbeiter nicht würdigt, über Kollegen, mit denen Sie sich nicht verstehen, über Kunden, die immer alles sofort haben wollen? Und verdienen Sie nicht eigentlich viel zu wenig für die ganze Arbeit, die Sie täglich erledigen müssen? Dann gehören auch Sie zu den Jobfrustrierten, die von ihrer Arbeit latent angenervt sind oder sogar massiv darunter leiden.

Die innere Einstellung wechseln - nicht den Job
Wer sich täglich in seinem Job ärgert, überlegt nicht selten, die Arbeitsstelle zu wechseln - in der Hoffnung, dass dort alles besser wird. Diese Hoffnung wird sich jedoch nicht erfüllen, so die Ansicht von Volker Kitz und Manuel Tusch, Autoren von "Das Frustjobkillerbuch - Warum es egal ist, für wen Sie arbeiten". "Die meisten Menschen jagen einem Ideal hinterher, das es so nicht gibt", ist Volker Kitz überzeugt. "Sie wollen Spaß, Spannung, nette Kollegen, einen netten Chef und die Chance auf Selbstverwirklichung - das alles zusammen kann kein Job bieten." Die Lösung sei daher nicht, von seinem bisherigen Arbeitsplatz wegzulaufen - sondern seine Einstellung zu ändern. "Bestimmte Probleme wird man nie loswerden - daher sollte man seine Energie lieber nutzen, über sich selbst nachzudenken", so Kitz.

Anfangen kann man bei den Kollegen, die ständig nerven. Ein Beispiel: Bei einem gemeinsamen Projekt liefert der Kollege seinen Part zu spät, sodass sich das gesamte Projekt verzögert. Kitz rät in solch einem Fall: "Machen Sie dem Kollegen keine persönlichen Vorwürfe, sondern verpacken Sie Ihre Kritik in eine Ich-Botschaft. Diese könnte zum Beispiel lauten: Ich ärgere mich, weil die Unterlagen nicht alle vorliegen und wir daher nicht rechtzeitig mit dem Projekt fertig werden." Damit greife man den Kollegen nicht persönlich an, sondern diskutiere auf sachlicher Ebene, erklärt der Autor - und das schont das Betriebsklima.

Stärken wahrnehmen
Weiterer Schwachpunkt: der Chef. "Die meisten beklagen sich darüber, dass der Vorgesetzte sie zu wenig für ihre Arbeit lobt oder schieben ihm die Verantwortung dafür zu, dass man zu wenig verdient", so die Beobachtung der Autoren. Der Fehler sei dabei, dass man seine Probleme einfach auf andere projiziere, statt sich klar zu machen, was hinter den Vorwürfen steckt. Wer vermeintlich zu wenig Anerkennung bekommt, sollte sich einmal überlegen, dass er nicht der Einzige ist, der für seinen Chef arbeitet. Würde er jeden im Team ständig loben, bliebe ihm keine Zeit mehr für seine Aufgaben - denn schließlich hat der Chef wiederum eigene Vorgesetzte, denen er Ergebnisse liefern muss. Wenn es um materielle Unzufriedenheit geht, raten die Autoren: "Statt ständig zu denken, dass man mehr verdienen müsste, sollte man lieber das Erreichte würdigen. Lernen Sie, Ihre persönlichen Stärken zu schätzen."

Laut Volker Kitz und Manuel Tusch ist es also möglich, den Jobfrust in den Griff zu kriegen. Das bedeute natürlich nicht, so Kitz, dass man niemals an einen Jobwechsel denken darf. "Aber man sollte nicht mit den falschen Erwartungen an eine neue Stelle herangehen." Wenn es sich um ein echtes Problem handelt - man wird gemobbt, mit dem Chef klappt es auf menschlicher Ebene überhaupt nicht, man verdient auch objektiv gesehen viel zu wenig -, dann kann man einen Wechsel natürlich in Betracht ziehen. Vorher sollte man jedoch seine Situation genau analysieren und überlegen, ob man selber etwas ändern kann. "Sie sollten einen realistischen Bezug zu Ihrer Arbeit finden", rät Kitz. "Dann ist es letztlich egal, wie genau Ihr Job aussieht. Mit einer realistischen Einschätzung werden Sie garantiert weniger frustriert sein."
 
Von Sabine Olschner