Unterstützung für Jugendliche - Aktiengesellschaft gegen Arbeitslosigkeit

"Wir sind überzeugt, dass wir etwas bewirken können - gemeinsam", mit diesen vollmundigen Worten gründeten The Boston Consulting Group und die Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG im Jahre 2007 eine Initiative, die alle Bereiche der Gesellschaft, von Unternehmen über die öffentliche Hand bis hin zum privaten Ehrenamt, in die Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit integriert: Das Projekt Joblinge.

Unter dem Dach einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft entstand ein Projekt, mit dem die Initiatoren arbeitslosen Jugendlichen die Möglichkeit geben wollen, sich nach einem Programm aus individueller Förderung und Qualifizierung die Chance auf einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu erarbeiten.

Individuelle Förderung gegen persönliche Probleme
"Unsere Gesellschaft kann es sich nicht leisten, das Potenzial dieser jungen Menschen ungenutzt liegen zu lassen", sagt Anja Reinhard, Projektleiterin von Joblinge am Standort München, der im April 2009 als zweites Pilotprojekt nach dem Auftakt in Zwiesel im Bayerischen Wald eröffnet wurde.

Das etwa halbjährige Programm gliedert sich in fünf Phasen: Nach einer Auswahlphase, in der die Jugendlichen in gemeinnütziger Arbeit ihre grundsätzliche Motivation für die Teilnahme beweisen sollen, geht es in die Orientierungsphase, wo neben der Suche nach einem Berufsfeld auch soziale Kompetenzen und individuelle Stärken gefördert werden. "In der ersten Woche geht es vor allem um das Ankommen im Projekt und um Teamfindung", erklärt Anja Reinhard. "Wir fordern die Jugendlichen auf zu reflektieren: Was macht mich aus, was unterscheidet mich von meinem Nebenjobling?" In ersten Aufgaben erarbeiten die Jugendlichen in der Gruppe beispielsweise eine Zeitung oder organisieren eine Feier und lernen so Verantwortung auf alle Beteiligten zu übertragen und, anders als in der meist ungeliebten Schule, den Lerninput selber zu bestimmen. Die bisherigen Schwierigkeiten der Jugendlichen, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, liegen meist im familiären und persönlichen Bereich.

Betreuung und erste Berufserfahrungen liegen im Fokus
"Wenn man sieht, mit welchem Rucksack an Problemen jeder bei uns ankommt, mit welchen Historien, die bisher sehr hinderlich waren, dann entspricht die Formulierung 'Ich möchte einen Ausbildungsplatz', als wenn man zu mir sagen würde 'Springen Sie mal zwanzig Meter aus dem Stand', sagt Projektleiterin Anja Reinhard.

In der Praxisphase sammeln die Jugendlichen dann erste Berufserfahrung an Praktikumsplätzen, die von verschiedenen von Münchner Unternehmen oder Partnerfirmen des Projektes angeboten werden. Laut Anja Reinhard ist Joblinge auf dem besten Weg eine feste "Marke" auf dem Münchner Arbeitsmarkt zu werden. Obwohl die Bereitschaft Praktikumsstellen anzubieten natürlich höher ist als Ausbildungsplätze zu stellen, da die Kosten und die unternehmerische Verantwortung viel höher liegen. "Und wenn ein Jugendlicher aus unserem Projekt in einer Firma negativ auffällt, ist das natürlich für alle nicht besonders Ziel führend", sagt Anja Reinhard. Aus diesem Grund werden die Jugendlichen sehr eng betreut, nicht nur von den Sozialpädagogen und Mitarbeitern der gemeinnützigen AG, sondern auch von ehrenamtlichen Mentoren, die ein wichtiger Bestandteil des Projektes sind. Die Mentoren sind Mitarbeiter der Partnerfirmen, die von Ihrem Arbeitgeber für diese Aufgabe freigestellt werden oder auch Pensionäre und interessierte Bürger, die versuchen Lebens- und Berufserfahrung an die Joblinge weiterzugeben und diese in der Projektarbeit bei der Stange zu halten.

Aktiv Problemen entgegenwirken
Patricia Brabandt ist Personalentwicklerin und hat sich schon während des Studiums sozial engagiert. Sie ist begeistert von der Arbeit mit "ihrem" Jobling: "Man muss kein Theaterspieler oder Sportler mit besonderen Fähigkeiten sein, um etwas beizutragen". Brabandt gibt an ihren Jobling natürlich Kenntnisse aus dem Personalbereich, beispielsweise über Bewerbungsgespräche weiter, die Aufgabe als Mentor ist für sie aber auch eng mit privaten Themen verbunden. "Ich erzähle auch relativ viel von mir, weil ich ihm das Gefühl geben möchte, nicht der Einzige auf der Welt in dem Alter mit solchen Fragen zu sein, und dass es mir genauso ging."

Andy Ebert ist IT-Projektleiter und lobt vor allem die gute Zusammenarbeit zwischen Mentoren, Joblingen und den Mitarbeitern der gAG, von denen die Mentoren für ihre Aufgabe geschult und vorbereitet werden. Denn Ebert gibt zu, vor der Herausforderung auch erst Angst gehabt zu haben. "Nun freue ich mich, dass Leute wie ich, die sich vorher nicht engagiert haben, jetzt die Möglichkeit dazubekommen und nicht mehr ohnmächtig vor den negativen Schlagzeilen stehen."

Die Arbeit eines Mentors kann jeder selbst mit Inhalt füllen, die Rolle spannt sich vom beruflichen Coach über den großen Bruder bis zum Antreiber. Andy Ebert berichtet seinem Jobling auch von seiner eigenen Arbeit und den daraus resultierenden Problemen, denn letztlich geht es für ihn darum, generelle Problemlösungskompetenz zu vermitteln. "Ich hinterfrage viele Entscheidungen meines Joblings, um zu schauen, was es da noch gibt", sagt Ebert, der mit seinem Engagement den Teufelskreis aus Arbeitslosigkeit und mangelndem Selbstvertrauen der Jugendlichen durchbrechen will.

Betreuung über den Ausbildungsbeginn hinaus
Die Mentoren begleiten ihre Joblinge über die gesamte Länge des Projektes bis zum Beginn einer Ausbildung, die sich im Idealfall nach einer Probephase im Unternehmen anschließt. Und darüber, dass sogar auch nach Aufnahme einer Ausbildung eine Weiterbetreuung der Joblinge erfolgt, ist die Münchner Projektleiterin Anja Reinhard besonders erfreut. "Das haben wir von Anfang an mit den Initiatoren besprochen und wir haben das Glück, dass vom europäischen Sozialfond eine halbe Stelle für diese Aufgabe genehmigt wurde."

Patricia Brabandt und Andy Ebert empfinden ihr Mentorship auf jeden Fall als eine extreme Bereicherung ihres Lebens und trotz aller Schwierigkeiten sind sie stolz darauf, Teil einer funktionierenden Kooperation zwischen Privatwirtschaft, Stiftungen, öffentlicher Hand und ehrenamtlich tätigen Bürgern zu sein.
 
Von Manuel Boecker