Umzug - Kein Job ohne Wohnungswechsel

Das Langzeitstudium haben Sie wider Erwarten Ihrer Eltern doch noch abgeschlossen und entgegen aller Prognosen der werten Dozenten auch einen Job gefunden? Mit Unterstützung eines windigen Maklers konnten Sie sogar eine Wohnung im Zentrum der neuen Metropole ergattern? Dann folgt also nun die größte Hürde vor dem Eintritt ins Berufsleben - der Umzug in eine neue Wohnung!

Um es gleich vorwegzunehmen - ein Umzug ist der größte anzunehmende Unfall für den mobilen Menschen von heute. Ein mexikanisches Sprichwort besagt, dass ein Umzug seelisch genauso belastend ist wie der Tod eines nahen Freundes. Dagegen nimmt sich der deutsche Spruch "Dreimal umgezogen ist wie einmal abgebrannt" sicherlich harmloser aus, im Kern beheimaten beide Redewendungen jedoch eine tiefe Wahrheit: Denn zum Ärger über die ramponierten Möbel nach einem hektischen Umzug gesellt sich auch schnell die Erkenntnis, dass man in der neuen Traumstadt nicht eine Menschenseele kennt.

Wenn der Wohnungswechsel im Chaos endet
Das Internet quillt zwar vor gut gemeinten Ratschlägen zum Thema Wohnungswechsel über, jedoch darf man sich von Schlagworten wie "Easy Moving", "10 Tipps, damit kein Stress aufkommt" oder ähnlichem nicht blenden lassen. Ein Umzug ist niemals easy, sondern immer beschwerlich, teuer und endet in Diagnosen wie "Verrenkung des Iliosakralgelenks".

Die tatsächlichen Kosten eines Umzuges kann man übrigens leicht errechnen, wenn man die erste Schätzung mit 3,5 multipliziert. Denn die LKW-Maut für den Mietlaster, die Pizzabestellung für die Umzugshelfer, die Schwindel erregende Gasnachzahlung, diverse Einkaufswägen voller Ikea-Kleinkram und die Mehrwertsteuer für die Maklerprovision hatten Sie bisher nicht wirklich in der Planung, oder?

Während die unerwarteten finanziellen Belastungen noch eine Lehrfunktion für die Zukunft besitzen, nämlich der Erkenntnis, dass parallel zu einem festen Einkommen auch sämtliche Ausgaben steigen, werden alle privaten Beziehungen durch einen Wohnungswechsel irreparabel beschädigt. Gute Freunde täuschen Krankheiten oder Urlaubsreisen zum geplanten Termin vor, oder fluchen noch Jahre später über Omas Küchenbuffet und schlecht gepackte Kisten voller Büchern aus der Jugendzeit. Daneben gilt, statistisch gesehen, ein Wohnungswechsel als Trennungsgrund Nr. 1 für langjährige Lebensgemeinschaften. Falls der Vor-Umzugsstress die Trennungsgefahr noch übertünchen konnte, beschwört der Anblick eines leeren Wohnzimmers im Schein einer nackten Glühbirne heftige Diskussionen über die gemeinsame Zukunft, nur weil der Partner unbedingt auf dem Sofa mit der viermonatigen Lieferfrist bestanden hat. Selbst eine perfekte Einrichtung kann diese Gefahr nicht bannen, da viele Paare in den ultimativ durchgestylten vier Wänden in die große Beziehungsleere fallen, da es nun nichts mehr zu planen oder besprechen gibt.

Was man sich zu Herzen nehmen sollte
Und nun einige Gesetzmäßigkeiten zum Thema, um die niemand herumkommt, der wegen des lieben Jobs die heimelige Studentenstadt verlassen muss:

1. "Plane in der Zeit, dann hast du Zeit in der Not", könnte man die bekannte Redensart abwandel. Es gilt der Grundsatz, dass ein Umzug rechtzeitig geplant werden soll. Wer erst am Tag vor dem Umzug überlegt, ob genug Kartons, Helfer und Transport-Kfz zur Verfügung stehen, macht sich den Umzug unnötig stressig.

2. "Es ist leichter, etwas auseinanderzunehmen, als es wieder zusammenzusetzen". Wer schon einmal eine gebrauchte Einbauküche mit allen Zu- und Abflüssen, Dunstabzugshaube und Sockelleiste wiederaufbauen wollte, weiß, wovon hier die Rede ist. Die Schwierigkeiten und Flüche beim Montieren einer Schrankwand lassen sich übrigens minimieren, wenn man wirklich alle dazu gehörigen Schrauben in einer Tüte verpackt und an das Möbel klebt.

3. "Alle horizontalen Flächen werden in kurzer Zeit mit Gerümpel bedeckt sein." Diese Tatsache gilt für die leer zu räumende wie auch für die frisch bezogene Wohnung. Gegen dieses Axiom der Umzugslehre vorzugehen ist schlicht sinnlos.

4. "Man muss immer öfter gehen als einmal." Diese Gesetzmäßigkeit muss sicher nicht erklärt werden, da sie für alle Lebenslagen, auch außerhalb des Umzugs, gilt. Wenn Sie nun beim unvermeidlichen zweiten Gang zum Auto die Befürchtung hegen, die Wohnungstür könnte zufallen, weil Sie keinen Schlüssel dabei haben, dann wird sie auch zufallen.
In diesem Sinne, viel Vergnügen beim Umzug!
 
Von Manuel Boecker