Umfrage unter Studenten - Bei der Jobsuche stechen Online-Stellenmärkte Firmenwebsites aus

Als Informationsquelle für die Jobsuche nimmt das Internet weiter an Bedeutung zu. Wie die Profilo Rating-Agentur GmbH, im Auftrag des Karriere-Portals Jobware im November, bei einer Umfrage unter Studenten und Absolventen, anlässlich der Dortmunder Karriere-Messe "konaktiva", ermittelte, wird das Web als Informationsressource für den Berufsstart weit wichtiger eingeschätzt als Printmedien, persönliche Empfehlungen und Recruitingveranstaltungen.

Bevor sie ihre Karriere starten, studieren High Potentials die einschlägigen Stellenmärkte und schenken dem ein oder anderen Tipp aus Familien- und Freundeskreisen Beachtung. So jedenfalls gestaltete sich der Berufseinstieg von Hochschulabsolventen, als das Internet noch ein Hirngespinst übereifriger Physiker war. Doch die Zeiten haben sich geändert. Wer heute noch glaubt, bei der Suche nach einem Arbeitsplatz um das Web einen großen Bogen machen zu können, läuft hoffnungslos seiner Zeit hinterher.

Tatsächlich sind PC, Internet und Arbeitsmarkt nicht mehr auseinanderzudividieren. Während knapp die Hälfte der Studenten und Absolventen angeben, gezielt Websites von potenziellen Arbeitgebern aufzusuchen, um dort nach attraktiven Karriere-Perspektiven zu forschen, ziehen immerhin 60 % dafür eine Online-Jobbörse vor. Vier von fünf der Befragten nennen das Internet allgemein als wichtigste Informationsquelle.
Zwar fließt der gut gemeinte Rat aus dem Freundeskreis (47 %) ebenso wie die an der Uni zirkulierende Information über Jobperspektiven nach wie vor in die berufliche Orientierung der jungen Leute ein. Doch im Vergleich zum Internet fallen sie deutlich in der Gunst der Absolventen zurück.

Das freilich entscheidende Ergebnis der Befragung ist die deutlich höhere Wertschätzung von Karriere-Plattformen gegenüber Firmen-Websites. Bevor Bewerber sich im Internet direkt potenzielle Arbeitgeber anschauen, steuern sie zunächst Online-Stellenmärkte an. Gerade jungen Bewerbern ist es lieber, sich erst einen allgemeinen Überblick zu verschaffen, was der Arbeitsmarkt konkret hergibt. Auf die Frage, ob ihnen die ausgeschriebene Position oder die Reputation des Stellen offerierenden Unternehmens wichtiger sei, gaben immerhin zwei Drittel der Befragten der ausgeschriebenen Stelle den Vorzug.

Unternehmen, die Hochschulabsolventen ansprechen wollen, sollten deshalb ihr Personalmarketing stärker als bisher auf die Ansprüche dieser Zielgruppe abstimmen. Wie die Umfrageergebnisse nahe legen, reicht es nicht aus, Bewerber mit Stellenangeboten auf der eigenen Firmen-Website anzusprechen. Wer hingegen die Personalwerbung durch gezielte Inserate auf Internet-Marktplätzen ergänzt, findet deutlich mehr Beachtung.

Das Angebot an Karriere-Portalen im Internet ist groß. Umso wichtiger ist es, genau zu prüfen, wer welche Zielgruppen am besten anspricht. Qualifizierte Fach- und Führungskräfte sind anderswo zu finden als gewerbliche Mitarbeiter. Und haben die Bewerber erst einmal angebissen, kann man sie elegant über Links ins eigene Haus lotsen. Dem Internet sei Dank.
 
Von Winfried Gertz