Turbo-Einstieg mit dualem Studium

Bis zum Berufseinstieg vergeht in Deutschland häufig sehr viel Zeit. Nicht umsonst gehören deutsche Hochschulabsolventen mit durchschnittlich 28 Jahren zu den ältesten in Europa. Nicht so bei Absolventen eines dualen Studiums: Nach gerade einmal drei Jahren haben sie einen Hochschulabschluss und eine abgeschlossene Ausbildung in der Tasche.

Alle drei Monate pendelt Denise Caprasse zwischen Dortmund und Mannheim hin und her: Die Studentin des dualen Studiengangs macht eine Ausbildung beim Versicherungsverbund "Die Continentale" und studiert gleichzeitig an der Berufsakademie (BA) in Baden-Württemberg Betriebswirtschaft. "Semesterferien kenne ich nicht", so die 23-Jährige. "Während der vorlesungsfreien Zeit arbeite ich in meinem Ausbildungsbetrieb." Die drei Jahre des Studiums seien zwar eine stressige Zeit, aber der Aufwand lohne sich allemal, so Denise Caprasse: "Die Chancen, dass ich nach dem Abschluss übernommen werde, stehen recht gut, denn das duale Studium ist eine gute Vorbereitung auf den Beruf."

Nicht nur Studenten sind von dem Turbo-Studium angetan - auch Unternehmen sehen den Vorteil der Berufsakademie-Absolventen: "Zum einen kennen sie sich bereits bestens im Unternehmen aus und haben praktische Erfahrung gesammelt, zum anderen haben sie sich zusätzlich ein solides theoretisches Wissen angeeignet", meint zum Beispiel Martina Lohmüller, Personalverantwortliche bei der Dresdner Bank. 27 BA-Studenten sind derzeit allein an den Standorten Mannheim und Stuttgart in Ausbildung, weitere sind auch für die folgenden Jahre geplant.

Mannheim und Stuttgart sind nicht aus purem Zufall wichtige Standorte der Berufsakademien: Baden-Württemberg ist das Mutterland des dualen Studiums. Das sogenannte "Stuttgarter Modell" wurde 1971 ins Leben gerufen, als die Daimler-Benz AG dem Kultusministerium Baden-Württemberg den Vorschlag unterbreitete, die Ausbildung mit einem Hochschulkurs-System zu verbinden. Damit sollten die Nachwuchskräfte besser für die Bedürfnisse der Unternehmen ausgebildet werden. 1974 schließlich wurden in Stuttgart und Mannheim die ersten Berufsakademien gegründet, 164 Studenten starteten an 51 Ausbildungsstätten ihre Ausbildung.

Prof. Dr.-Ing. Joachim Frech, Vorstandsmitglied des Dualen Verbands an Berufsakademien Baden-Württemberg e.V., ist stolz darauf, dass das Modell sich so gut entwickelt hat: Mehrere tausend Partnerunternehmen und über 20.000 Studenten profitieren mittlerweile vom dualen Studium. "Wir bieten eine echte Dualität, die den Studenten permanent im Vierteljahresrhythmus zwischen Theorie und Praxis hin- und herpendeln lässt", erklärt Frech - und grenzt sich damit gegenüber Nachahmern ab. Denn auch in anderen Bundesländern hat die Berufsakademie mittlerweile Einzug gehalten. In Berlin, Thüringen und Sachsen können Studenten ebenfalls an "Original"-Berufsakademien nach dem schwäbischen Vorbild studieren. Institute in anderen Bundesländern nennen sich zwar auch Berufsakademie - denn die Bezeichnung ist nicht geschützt -, doch nicht immer wird die Dualität konsequent umgesetzt. Manchmal absolvieren Studenten während des Studiums nur ein Praktikum, oder die Hürde der Zugangsvoraussetzungen ist niedriger: Statt der Hochschulreife wird zuweilen nur eine Fachhochschulreife verlangt.

Wer sich für ein Studium an einer BA interessiert, sollte also darauf achten, dass Schule und Ausbildungsunternehmen eng zusammenarbeiten und der Abschluss, den die Hochschule verleiht, national und international anerkannt ist. Hat man eine passende BA gefunden, muss man sich bei den Unternehmen um einen Ausbildungsplatz bewerben. Denn nur wer einen Ausbildungsvertrag hat, kann sein Studium an der Partnerschule beginnen. Nach drei Jahren verlässt man dann die Berufsakademie je nach Fachrichtung mit einem Bachelor of Science, einem Bachelor of Engineering oder einem Bachelor of Arts - und jeder Menge praktischer Erfahrung obendrauf.
 
Von Sabine Olschner