Transfergesellschaften - Perspektiven trotz Jobverlust

Ein probates Mittel, um Arbeitsplatzabbau sozial verträglich zu gestalten, ist der Beschäftigtentransfer. Ob BenQ in München, Pfaff in Kaiserslautern oder Quelle in Fürth: Werden Transfergesellschaften eingerichtet, fallen Arbeitnehmer nicht sofort ins tiefe Loch. Eine Zertifizierung hilft, bei der Auswahl von Dienstleistern die Spreu vom Weizen zu trennen.

Transfergesellschaften bringen Arbeitnehmer, denen gekündigt wurde, wirksamer wieder in eine neue Anstellung als die Bundesagentur für Arbeit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Bundesverbandes der Träger im Beschäftigtentransfer e.V. (BVTB). Danach schätzen 86 Prozent der rund 100 befragten Personalchefs die Leistungen der Transfergesellschaften weit besser ein als die der Arbeitsagentur.

Zertifizierte Dienstleister stehen hoch im Kurs
Besonders viel halten Personalmanager von zertifizierten Dienstleistungsanbietern. Sie würden mindestens 60 Prozent der Beschäftigten in Transfergesellschaften erfolgreich in neue Arbeitsverhältnisse vermitteln. Mit dem "Qualitätslabel BT" zeichnet der BVTB Dienstleister aus, die in der Beratung der Arbeitnehmer sowie in Projektsteuerung und Projektabwicklung hohe Qualitätsstandards erreichen.

Ohne entsprechende Zertifizierung würde die Vermittlungsquote hingegen absinken. Insgesamt erwarten die befragten Verantwortlichen, dass im laufenden Jahr rund 150.000 Beschäftigte so eine neue berufliche Perspektive finden können. Das entspricht einem Anteil von rund zehn Prozent der Beschäftigten, die aktuell in Kurzarbeit sind.

Im Hinblick auf die Leistungen der Bundesanstalt für Arbeit und des Beschäftigtentransfers fällt das Votum der befragten Personalchefs eindeutig aus. 94 Prozent der Befragten halten den Transfer für wirksamer, während 76 Prozent ihn auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht favorisieren.

Beschäftigtentransfer rechnet sich
Laut BVTB liegen die Kosten, die für die Einrichtung einer Transfergesellschaft entstehen, weit niedriger als die volkswirtschaftlichen Kosten, die sich im umgekehrten Fall errechnen: Der herkömmliche Weg über Kündigung, Abfindung, Arbeitslosengeld I und II sowie Vermittlung über die Arbeitsagentur, hat der BVTB in einer Modellrechnung ermittelt, schlägt ungefähr doppelt so hoch zu Buche wie bei der Einrichtung einer Transfergesellschaft.

Vor allem in der Krise boomt das Transfergeschäft. Viele Dienstleister verdienen sich eine goldene Nase. Personalmanager und Betriebsräte, deren Unternehmen ums Überleben kämpfen, werden täglich mit Werbeanfragen konfrontiert. Viele Firmen wollen sich nach Abschluss der Kurzarbeit von Mitarbeitern trennen und dies so sozialverträglich wie möglich gestalten. Bei ihnen rennen die Dienstleister offene Türen ein.
 
Von Winfried Gertz