Thema Geld - Was verdienst du eigentlich?

Diese scheinbar harmlose Frage ist für die meisten Deutschen intimer als beispielsweise die Frage nach der Anzahl der Sexualpartner und wird unter Kollegen eher selten gestellt. Zu Recht, denn wer hier eine ehrliche Antwort erhalten möchte, sollte wissen, dass es laut dem Psychologen Herb Goldberg unmöglich ist, eine Unterhaltung über Geld zu führen, die unschuldig ist. Die erhaltenen Informationen kann man auf jeden Fall nicht mehr ignorieren.

Hilfreich ist dabei zuerst die Erforschung der eigenen Motivation: Warum interessiert mich das Gehalt des anderen überhaupt so brennend und bin ich bereit, die gleiche Offenheit zu zeigen? Soll meine Neugier eher meinen Neid auf den Besserverdienenden bestätigen oder will ich meinen Status gegenüber dem ärmeren Kollegen heben?

Studien belegen Unsicherheit
Doch egal welche Gründe dahinter stecken, eine vertrauenswürdige Antwort werde ich von den allermeisten Kollegen nicht erhalten. Denn beim Thema "Reden über Geld" wird für die Deutschen eines der größten Tabus überhaupt angesprochen. Laut der von der Commerzbank in Auftrag gegebenen Studie "Die Psychologie des Geldes" löst das Thema bei vielen Menschen Schamgefühle aus. Zudem hat Geld in der Finanzkrise ein schlechtes Image und wer sich im Umgang mit demselben auskennt, wird misstrauisch der Übervorteilung anderer verdächtigt. Die Komplexität des Themas verursacht bei vielen Angst und Unsicherheit, sodass die Menschen Geldangelegenheiten eher dem Partner oder einem Finanzberater übertragen.

Die Folgen dieser Unwissenheit sind in den Verlusten von Kleinanlegern und Sparern in der weltweiten Krise abzulesen. Dieses Desinteresse zeigt sich aber auch bei Jobanfängern, von denen laut einer Statistik die Hälfte keine Ahnung hat, was sie beim Bewerbungsgespräch für eine Gehaltsvorstellung angeben sollen.

Nur die Relation interessiert
Und hier kommen wir nun wieder zurück auf die Ausgangsfrage, warum uns das Gehalt des Kollegen oder auch eines Freundes so interessiert: Wir wollen uns in Relation zu anderen setzen und insgeheim unseren kleinen feinen Traum von einer gerechten Welt bestätigt wissen. Wir wünschen uns eine faire und damit kaum auseinanderdriftende Bezahlung in der Firma, denn der Großverdiener schürt Neid und Missgunst in uns und der Bürobote knapp über Hartz-IV-Niveau erinnert uns an den drohenden Abstieg bei Verlust des Arbeitsplatzes. Wie irrational diese Vergleiche mit anderen ausufern können, zeigen wissenschaftliche Forschungen aus dem Bereich "Happiness Economics". Der Mensch ist glücklicher mit 100.000 Euro, wenn der Kollege gleichzeitig 90.000 Euro verdient, als mit einem Jahresgehalt von 120.000 Euro und einem Kollegen mit 130.000 Euro. Klingt komisch, ist aber so. Also gleich mal eine Rundmail starten: "Was verdient ihr eigentlich so ...?"
 
Von Manuel Boecker