Temporäre Arbeit - Fachkräfte im Personalleasing

Robert Fischer lässt sich in der aktuellen Bankenkrise nicht verrückt machen. Auch wenn er vielleicht bald seinen Hut nehmen muss. Denn der Bankkaufmann, der in der Devisenabwicklung bei einer großen Privatbank in Köln arbeitet, ist nur geleast. Sein Arbeitgeber ist die Zeitarbeitsfirma I.K. Hofmann aus Nürnberg.

Zeitarbeiter wie Fischer sind in Geldinstituten keine Seltenheit mehr. In den letzten Jahren stieg die Nachfrage nach Fachkräften über Personalleasingfirmen stark an. "Wir können den Bedarf unserer Bankkunden kaum befriedigen", sagt Andreas Lehmann vom Branchengiganten DIS in Düsseldorf. Hochschulabsolventen sowie Controller mit BWL-Abschluss könnten sofort anfangen.

Zeitarbeit attraktiv im Finanzwesen
"Wer heute die Schalterhalle einer Bank betritt", sagt Michael Vorderstraße von Amadeus Fire in Frankfurt, "muss damit rechnen, dass der Kreditsachbearbeiter oder Fondsbuchhalter nicht auf der Gehaltsliste der Bank, sondern einer Zeitarbeitsfirma steht." Selbst Financial Analysts, hochspezialisierte Fachkräfte, zählten dazu. Amadeus Fire ist unter den Personalleasingfirmen die Nummer eins im Bankengeschäft. Von den etwa 1.700 Mitarbeitern, die das Zeitarbeitsunternehmen beschäftigt, sind die meisten als Fach- und Führungskräfte im Finanzumfeld tätig.

Auch bei DIS sind mehr als 70 Prozent der Beschäftigten in gutbezahlten Jobs, laut Lehmann sind 21 Prozent Akademiker. Hätten ihn nicht private Sorgen davon abgehalten, hätte auch Zeitarbeiter Fischer gern sein Jurastudium abgeschlossen. Stattdessen suchte er sein Heil in der Finanzwelt: Nach der Ausbildung zum Bankkaufmann bei einer Kreissparkasse bildete er sich weiter und ist in einigen Finanzinstituten herumgekommen. Seine Hoffnung ist groß, bald von der Bank angestellt zu werden. "Ich rechne fest damit, dass man mir dank meiner Erfahrung einen festen Arbeitsvertrag anbietet."

Sprungbrett in die Festanstellung
Was Fischer andeutet, ist der so genannte Klebeeffekt. Wer als Zeitarbeiter durch Leistung und Erfahrung überzeugt, kann davon ausgehen, bald ein Übernahmeangebot zu erhalten. Laut einer internen Auswertung von DIS wurden im ersten Halbjahr 2008 35 Prozent der Mitarbeiter von Kundenfirmen übernommen. "Etwa ein Drittel ist neun Monate bei uns, ehe sie wechseln", so Lehmann. "40 Prozent bleiben mindestens ein halbes Jahr." So manche Personalleasingfirma investiert viel in die Weiterbildung, womit sie die Übernahmechance der Zeitarbeiter noch erhöht. Wer sechs Wochen bei Amadeus Fire gearbeitet hat, kriegt hohe Zuschüsse zu Trainingskosten. Oft handelt es sich um "Aufstiegsweiterbildung", wenn etwa der Bankkaufmann sich als internationaler Bilanzbuchhalter ins Gespräch bringen will.

Um das Image der Zeitarbeit im Bankensektor steht es also insgesamt recht gut, nicht zuletzt, weil sich die fachlichen Qualifikationen der Mitarbeiter auf einem hohen Niveau bewegen. "Viele Kandidaten nutzen die temporäre Anstellung als Sprungbrett, um den potenziell neuen Arbeitgeber sowie das Arbeitsumfeld zu testen und danach in eine Festanstellung übernommen zu werden", sagt Sven Hennige, Managing Director bei der Personalberatung Robert Half International.

Freilich geht die Bankenkrise nicht spurlos vorbei an der Zeitarbeitsbranche, die zuletzt mit zweistelligen Zuwachsraten von sich reden machte. "Viele Banken reagieren vorsichtig bei Neueinstellungen auch im Zeitarbeitsbereich", beobachtet Hennige. Eine aktuelle Auswertung von Adecco zeigt dies in aller Klarheit. In den ersten neun Monaten des Jahres wurden in 40 Tageszeitungen nur 487 Stellenangebote von Zeitarbeitsfirmen geschaltet, nach 743 im Vorjahreszeitraum. Zugleich gingen die Offerten von Banken von 3.542 auf nunmehr 2.844 zurück.
 
Von Winfried Gertz