Teilzeit-Studium für den Doktortitel

Der eine will sich persönlich weiterentwickeln, der andere erhofft sich bessere Karrierechancen, der Dritte will sich beruflich umorientieren - Gründe für eine Promotion gibt es viele. Wer den Doktortitel berufsbegleitend erlangen will, muss allerdings besonders viel Durchhaltevermögen beweisen.

Macht es überhaupt Sinn, sich den Mühen der Dissertation zu stellen, wenn man bereits beruflich Fuß gefasst hat? Diese Frage lässt sich pauschal kaum beantworten. Wer plant, beruflich mit dem Doktor-Titel voranzukommen, sollte vorab prüfen, ob eine Promotion für die angestrebte Stelle überhaupt notwendig ist. Wer aus reinem Interesse an einem Thema promovieren will, wird die Arbeit, die auf ihn zukommt, vielleicht unterschätzen. Für alle Doktoranden gilt: "Ganz gleich, welche Motivation Sie haben: Sie sollten bereit sein, für längere Zeit Entbehrungen auf sich zu nehmen", sagt Dr. Helga Knigge-Illner, psychologische Studienberaterin und Autorin des Buches "Der Weg zum Doktortitel".

Optimales Zeitmanagement für den Doktortitel
Das A und O bei einer Dissertation ist das Zeitmanagement. Ein Vollzeit-Doktorand braucht im Schnitt rund fünfeinhalb Jahre, bis er den Doktortitel in der Tasche hat. Für nebenberuflich Promovierende gibt es keine statistisch belegbaren Zahlen - man schätzt, dass sie mindestens sieben Jahre brauchen. Eine lange Zeit, in der Freizeit und Familienleben durch die Doppelbelastung öfter hintenanstehen müssen. "Ich rate dazu, die Stundenzahl im Job zu reduzieren, wenn man promovieren will", so Helga Knigge-Illner. "Sich nur nach Feierabend und am Wochenende mit seinen Forschungen zu beschäftigen, wird sicherlich nicht funktionieren." Am besten sei es, so die Beraterin, sich konkrete "Geschäftszeiten" für seine Promotion zu schaffen, in denen man sich mit nichts anderem beschäftigt. Hilfreich könne es auch sein, sich für die Zeit ein eigenes kleines Büro anzumieten, in dem man ungestört von Kollegen, Freunden oder Familienmitgliedern arbeiten kann.

Teilzeit-Promotion eher praxisorientiert
Was für den Vollzeit-Doktoranden gilt, gilt für den Teilzeit-Promovierenden noch viel mehr: Er sollte sich klare Zwischenziele setzen. Bis wann sollte das Expos fertig sein? Wann sollten welche Kapitel abgeschlossen werden? "Regelmäßige Treffen und feste Vereinbarungen mit dem Doktorvater müssen sein", so Helga Knigge-Illner, "ansonsten verrennt man sich schnell." Auch die Gefahr, zum einsamen Einzelkämpfer zu werden, ist für Leute, die berufsbegleitend promovieren, groß. Die Psychologin rät deshalb, besonders zu Beginn Seminare und Veranstaltungen zu besuchen, die von den Universitäten angeboten werden. "Hier bekommt man den Anschluss an aktuelle wissenschaftliche Diskussionen, kann sich beraten und coachen lassen, wissenschaftliches Schreiben lernen und andere Doktoranden kennenlernen." Später können die Kontakte dann zeitsparend per E-Mail weitergeführt werden.

Der Vorteil einer berufsbegleitenden Promotion: Die Doktoranden kennen sich gut mit einem Thema aus und konnten bereits praktische Erfahrungen sammeln. "Daher bietet sich auf jeden Fall ein praxisnahes Forschungsthema an", betont Helga Knigge-Illner. Sie glaubt, dass die Hochschulen sich künftig offener für Doktoranden zeigen werden, die aus der Praxis kommen.

Von Sabine Olschner