Studienkredite

Im Unterschied zu anderen OECD-Staaten ist ein Studienkredit zur Finanzierung des Studiums bei deutschen Studenten noch nicht weit verbreitet. Mit der Einführung von Studiengebühren in einigen Bundesländern begannen die Banken vor ca. fünf Jahren mit der Vergabe von Studiendarlehen. Damit entfernt sich die Bildungsfinanzierung zwar noch mehr vom einem Solidarprinzip wie dem Bafög und wird zu einer privaten Investition in das eigene "Humankapital", jedoch kann ein sorgfältig geplantes Studiendarlehen die Qualität des Studiums erhöhen und im Idealfall die Studiendauer verkürzen.

Deutsche Studierende finanzieren im Durchschnitt mehr als die Hälfte ihres Bedarfs über die Eltern und rund ein Drittel durch eigenes Einkommen. Staatliche und privatwirtschaftliche Förderung durch Bafög und Studienkredite fallen mit 13 bzw. 1 Prozent recht gering aus. Im Gegensatz zum europäischen Ausland überlässt der deutsche Staat den Bereich elternunabhängiger Förderung fast gänzlich privatwirtschaftlichen Angeboten oder der staatlichen Förderbank KfW.

Studiendarlehen - was zu beachten ist
Vor dem Abschluss eines Studiendarlehens sollte man auf jeden Fall einige Punkte genauer unter die Lupe nehmen:

  • Zuerst einmal prüfen, ob nicht doch eine BAföG-Berechtigung vorliegt. Die meisten Studierenden kennen nämlich weder die Bedingungen dieses unverzinslichen Kredits, noch die genauen Einkommensverhältnisse der Eltern.
  • Sollen der engste Freundes- und Familienkreis in die Entscheidung über eine Kreditaufnahme mit einbezogen werden oder nicht? Bei Rückzahlungsschwierigkeiten wegen Arbeitslosigkeit nach dem Studium oder der Geburt eines Kindes ist jede Unterstützung gefragt. In diesem Fall zahlt sich auch der Kredit mit den flexibelsten Rückzahlungsbedingungen aus.
  • Wer bei dem Gedanken an private Schulden nicht mehr ruhig schlafen kann oder bei der Nennung von Begriffen wie "Schufa-Eintrag" oder "Privatinsolvenz" Schweißausbrüche bekommt, sollte weiter jobben gehen.
  • Auch wenn die Auszahlungssumme dadurch sofort verringert wird, ist der Abschluss einer Unfall- oder Lebensversicherung zur Absicherung des Darlehens im Falle einer Berufsunfähigkeit sinnvoll.
  • Die monatliche Auszahlung sollte wirklich der Verbesserung der eigenen Studienbedingungen dienen und nicht im Urlaub versickern.

Finanzierungsmöglichkeiten sollten genau geprüft werden
Nach diesen Vorüberlegungen sollte man verschiedene Angebote prüfen und eine unabhängige Stelle oder Studienberatung zu Rate ziehen, da die Konditionen teilweise erheblich variieren. Die zur Auszahlung kommenden monatlichen Höchstraten liegen je nach Bank zwischen 200 und 1000 euro;, wobei die Rate je nach Bedarf so klein wie möglich gehalten werden sollte. Schwierigkeiten beim Vergleich verschiedener Angebote macht der Zinssatz, den manche Banken nominal angeben und der effektiv, d. h. mit allen Nebenkosten, natürlich immer etwas höher ausfällt. Leicht übersehen werden kann auch die Tatsache, dass der Zinssatz in der Rückzahlungsphase bei den meisten Verträgen noch einmal ansteigt.

Neben dem klassischen Studienkredit gibt es je nach Bundesland auch noch andere Kreditmöglichkeiten. Ein Studienbeitragsdarlehen deckt beispielsweise nur die Semestergebühren ab, ein zeitlich befristeter Bildungskredit kann eventuell Unterstützung für die letzte Phase des Studiums bieten.
 
Von Manfred Böcker