Studentenjobs - Mein Leben als Burger

Phrasen wie "Not macht erfinderisch" oder "Ich war jung und brauchte das Geld!" sind meistens der Versuch einer Rechtfertigung, wenn Studenten von ihren Jobs erzählen, die sie, wenn auch nicht voller Überzeugung, angenommen haben, um sich das Studentenleben zu finanzieren.

Die Stellenanzeige klingt zunächst vielversprechend: "Wenn Sie flexibel und offen auf Menschen zugehen können, sind Sie für diese Promotiontätigkeit genau der richtige Kandidat!" Da erkennt sich der kommunikative Student natürlich sofort wieder. Und Promotion hört sich nach was an. Wenn die Bezahlung stimmt, ist das vielleicht der Traum-Studentenjob, um den die Kommilitonen einen beneiden werden. Doch eine Frage beim Vorstellungsgespräch macht stutzig: "Mögen Sie Burger?" Klar! Wer mag schon keine Burger. Aber in einem Burgerkostüm mit Schuhgröße 75 und Händen so groß wie Pfannen durch die Fußgängerzone zu torkeln ist dann doch was anderes als ein erträgliches Leben. Wenn unter dem lustigen Kostüm noch tropische 40 C herrschen und kleine Kinder einen mit ihren Regenschirmen in die weiche Burgerhüfte pieksen, stößt man schnell an seine Toleranzgrenze. Vielleicht ist man doch nicht so "flexibel" wie vermutet.

Wenn Hollywood ruft
Wie wäre es also mit einer Komparsenrolle beim Film? Ein bisschen Hollywood liegt in der Luft. Ein bisschen George Clooney, ein bisschen Angelina Jolie - kann ja so schwierig nicht sein. Und ehe man sich versieht, sitzt man bei Barbara Salesch im Zeugenstand und muss gegen die eigene Mutter wegen Drogenmissbrauch aussagen. Plötzlich ist man eines von den armen Schweinen, über die man sich immer lustig machte, wenn man nachmittags das Fernsehen anschaltete. Ein paar rausgedrückte Tränen und Dramatik in ihrer reinsten Form. Oscarreif. Aber irgendwie nicht Hollywood. Mit der ersten Gage in der Tasche sucht sich der gewitzte Student vielleicht doch lieber einen richtigen Job. Einen, von dem auch die Mama stolz erzählen würde, wenn sie wüsste, was er denn da so genau macht.
Zum Beispiel im Bereich Medizin.
Hört sich gut an.

Dass man dabei ein paar Tabletten schluckt und Buch über seine Befindlichkeit führen muss, muss ja niemand wissen. Hauptsache das Geld stimmt. Aber mit den ersten Nebenwirkungen kommen auch die ersten Zweifel. Wenn der Körper dann Alarm schlägt, ist es Zeit für eine Umorientierung. Und die eitle Studentin, die sich bereits als Messe-Hostess versuchte und mit eingefrorenem Lächeln Kulis verteilte, legt nun noch einen drauf und versucht ihr Glück als "Begleitdame". In teuren Restaurants oder auf Veranstaltungen an der Seite eines vielbeschäftigten Managers zu posieren ist eine verlockende Vorstellung, aber Mama wäre sicherlich nicht amüsiert.

Wer also nicht als Kassierer oder studentische Hilfskraft arbeiten, sondern "was erleben" möchte, dem bieten sich zahlreiche Möglichkeiten im bizarren Job-Theater. Aber die sonst so wichtigen Tugenden und Ansprüche müssen oft hinten angestellt werden. Denn um ein guter Burger zu sein, muss man den Stolz auch mal zu Hause lassen.
 
Von Antje Amrhein