Studenten im Zukunftspessimismus

Wer immer noch glaubt, Studenten würden die Beine auf Kosten der Allgemeinheit hochlegen und im Studium eine ruhige Kugel schieben, dem helfen vielleicht die Ergebnisse einer neuen Studentenumfrage auf die Sprünge. Zum Feiern ist der nachrückenden Generation ganz und gar nicht zumute: Miese Berufsaussichten, keine Lust aufs Ausland. Was zählt, ist ein sicherer Arbeitsplatz.

Wie das Automobilzulieferunternehmen Continental in seiner neuerlichen Umfrage ermittelte, drückt die Finanz- und Wirtschaftskrise, selbst wenn sie inzwischen als weithin überwunden gilt und Unternehmen wieder fest mit anhaltendem Aufschwung rechnen, den Studenten aufs Gemüt. Gab sich Anfang 2009 noch jeder Vierte "sehr zuversichtlich" in Sachen Karriereaussichten, ist es inzwischen nur noch jeder Siebte. Während der Nachwuchs seinen Optimismus verliert, nimmt umgekehrt das Bedürfnis nach einem sicheren Arbeitsplatz weiter zu. Möglichst lange soll der Berufseinstieg beim ersten Arbeitgeber dauern, von ihm wird Loyalität und eine geregelte Arbeitszeit erwartet.

Krisenfeste Jobs unter Studenten bevorzugt
Rund 1000 Studenten wurden zu ihren Ansichten über Karriere, Arbeitswelt und Hochschulthemen befragt. Die meisten Studenten beurteilen die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands positiv, mehr als zwei Drittel vergeben ein "sehr gut" oder "gut". Ebenso wird die eigene Qualifikation beurteilt. Kaum jemand befürchtet, durch sein Studium für das Berufsleben nicht hinreichend vorbereitet zu sein.

Umgekehrt nimmt das Bedürfnis nach Sicherheit in der Krise deutlich zu. Im Vergleich zum "Boomjahr" 2005, als lediglich jeder Vierte an einer möglichst sicheren Stellung interessiert war, favorisieren 2010 bereits rund 50 Prozent der Befragten einen krisenfesten Job. Nachdem 2005 zwei von drei Befragten sich noch eine "Abfolge zeitlich befristeter, dafür gut bezahlter und interessanter Jobs mit Zweckbündnis-Charakter" vorstellen konnten, sank ihr Anteil in 2010 auf etwa 45 Prozent. Für die meisten Befragten gilt die tariflich festgelegte Wochenarbeitszeit als Wunschziel. Der Anteil derjenigen, die für frei zu vereinbarende Arbeitszeiten plädieren, ist deutlich gesunken.

Jobs im Inland im Trend
Ein weiteres Ergebnis der Finanz- und Wirtschaftskrise ist die abnehmende Bereitschaft von Studenten, sich einen Job im Ausland zu suchen. Nach Asien oder Osteuropa zieht es kaum einen der Befragten. Sogar Brasilien, die USA oder die Schweiz, klassische Regionen für den Jobeinstieg und den Aufstieg, kommen deutlich schlechter davon als noch vor wenigen Jahren. Verwarfen 2006 noch 48 Prozent den Gedanken, ihre Karriere im Wachstumsmarkt China zu starten, stieg dieser Anteil auf nunmehr 65 Prozent. Innerhalb von drei Jahren sank auch das Interesse, für den Berufseinstieg in die Schweiz umzuziehen, von 78 auf 64 Prozent. In den USA die Karriereleiter zu erklimmen, kommt nur noch für 45 Prozent in Frage.
 
Von Josef Bierbrodt