Stress und Burnout - Wie Sie Ihre Mitarbeiter schützen

Rund drei Millionen Menschen gelten in Deutschland als Burnout-gefährdet. Sie davor zu schützen, ist ein Teil der Führungsaufgabe. Doch zu wenige Führungskräfte besitzen die entsprechenden Kompetenzen.

Stress wird definiert als die physische, psychische und biochemische Reaktion des Körpers auf Anforderungen, die mit den verfügbaren Ressourcen und Handlungsmöglichkeiten nicht bewältigt werden können. "Menschen reagieren mit Stress, wenn sie Anforderungen nicht bewältigen können, zum Beispiel wenn Handlungsstrategien fehlen oder Ressourcen nur unzulänglich vorhanden sind", erklärt Dr. Stefan Hey vom House of Competence an der Universität Karlsruhe.

Wohl dosiert und zeitlich befristet ist Stress nicht ungesund. Ganz im Gegenteil: Stressreaktionen des Körpers ermöglichen den Menschen, innerhalb weniger Sekunden ihre Leistungsreserven zu mobilisieren. Erstreckt sich der Stress jedoch über eine längere Zeitdauer, kann er sich auf die Gesundheit auswirken. Deshalb wird allgemein zwischen zwei Arten von Stress unterschieden: Eustress (von griechisch eu = gut) und Distress (von lateinisch dis = schlecht). "Eustress motiviert und spornt zu mehr Leistung an. Distress führt zu Angstgefühlen und kann langfristig körperliche Beschwerden wie Bluthochdruck, Muskelverspannungen oder Infektionsanfälligkeit auslösen", so Dr. Stefan Hey.

Eine der schwerwiegendsten Folgen von chronischem Stress ist das Burnout-Syndrom. Erkrankte befinden sich in einem physischen, psychischen und geistigen Erschöpfungszustand und haben selbst für alltägliche Aufgaben keine Energie mehr. Insbesondere im Dienstleistungsbereich, bei Mitarbeitern mit viel Kundenkontakt, breitet sich Burnout zunehmend aus. Aber auch im Personalwesen: Laut einer Studie der Fernuniversität Hagen sind fast ein Drittel der befragten Personalmanager von Burnout betroffen. Einen Grund für das hohe Burnout-Risiko sehen die Studien-Autoren darin, dass die Mitarbeiter immer öfter zum Humankapital versachlicht werden. Zudem führen eine geringe Mitarbeiterorientierung, bürokratische Hindernisse und eine mangelnde Entscheidungsbefugnis zu erhöhter Belastung bei den Personalern.

Die Hauptursache liegt im Unternehmen
Das sind auch Faktoren, die Stefan Buchner, Geschäftsführer der UBGM-Unternehmensberatung für Betriebliches Gesundheitsmanagement, als Auslöser von Stress und Burnout nennt: "In der Vergangenheit waren Experten vielfach der Ansicht, dass es sogenannte Burnout-Persönlichkeiten gibt", erklärt er. "Mittlerweile ist das aber klar widerlegt und man weiß, dass die Hauptursache im Unternehmen selbst zu finden ist." Seiner Erfahrung nach sind zwei Faktoren entscheidend: Die Werte, die in einem Unternehmen gelebt werden, und das Führungsverhalten. Vor zwei bis drei Jahren, als sich viele Unternehmensfusionen und Restrukturierungen ereigneten, gab es einen deutlichen Anstieg an Burnout-Fällen, bedingt dadurch, dass die Mitarbeiter die Werte des neuen oder umstrukturierten Unternehmens nicht kannten und die Führungskräfte überfordert waren. Auch die Wirtschaftskrise wird sicherlich zu einer zunehmenden Burnout-Belastung führen. Immer weniger Beschäftigte wissen, was mit ihrem Arbeitsplatz, ihrem Unternehmen und letztendlich auch ihrem privaten Umfeld passieren wird.

Die Führungskräfte sind in der Verantwortung
Stefan Buchner sieht die Führungskräfte in der klaren Verantwortung. "Das Thema Wertschätzung spielt eine wichtige Rolle. Das heißt ganz simpel und einfach: Loben Sie. Sie dürfen nicht nur defizitorientiert schauen, wie Sie die Leistung Ihrer Mitarbeiter optimieren können, sondern sie müssen auch das, was vielleicht als ganz normale Basics angesehen wird, lobend erwähnen", rät er. Als positive Beispiele nennt er Führungskräfte, die einmal pro Woche durch ihre Abteilungen gehen, mit den Mitarbeitern reden und ihnen auf die Schultern klopfen. "Das ist wirkungsvoller für die persönliche Wertschätzung als jeder Euro, der mehr bezahlt wird, oder jede Prämie, die ausgeschüttet wird", weiß er. Ein wichtiges Instrument sei auch das Mitarbeitergespräch: Hat der Mitarbeiter das Gefühl, dass es Werte im Unternehmen gibt, die auch gelebt werden? Was ist ihm an seiner Arbeit wichtig? Was ist für ihn persönlich wichtig? Schließlich seien auch Führungskräftetrainings, in denen der jeweilige Führungsstil analysiert wird, belastende Faktoren im Unternehmen ermittelt und gesundheitsfördernde Verhaltensweisen trainiert werden, sinnvoll.

Besonders wichtig ist laut Stefan Buchner die Prävention. Denn: Wenn das Kind erst einmal in den Brunnen gefallen ist und erste Burnout-Fälle auftreten, ist es schwer und langwierig, entgegenzusteuern. Psychotherapeutische Hilfe wird nötig und der Mitarbeiter fällt meist für längere Zeit aus. Auch bei den nicht betroffenen Mitarbeitern ergeben sich häufig Leistungsabfälle. Allein deshalb sollte die Vermeidung von Stress und Burnout ein Teil der normalen Führungskräfteentwicklung sein, plädiert Buchner und ergänzt: "In einigen großen Unternehmen ist das glücklicherweise bereits der Fall."
 
Von Christiane Siemann