Stress am Arbeitsplatz - Europas Manager schlagen Alarm

Quer über den Kontinent nehmen Stress, Gewalt und Mobbing in der Wirtschaft zu und verursachen vielerlei gesundheitliche Gefahren am Arbeitsplatz. Zu diesem besorgniserregenden Befund kommt eine neue EU-Studie. Deutschland liegt dabei weit über dem Durchschnitt.

Im Auftrag der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) befragte TNS Infratest 36.000 Führungskräfte und Arbeitsschutzbeauftragte in den 27 Mitgliedsstaaten sowie in Kroatien, Türkei, Norwegen und der Schweiz. Die Ergebnisse sind ein deutliches Alarmsignal: Vier von fünf Managern äußern sich besorgt über arbeitsbedingten Stress. In Deutschland sind es sogar 92 Prozent.

Mit Mitarbeitern effiziente Gesundheitsmaßnahmen aufbauen
Laut der Anfang Juni in Barcelona präsentierten Studie "European Survey of Enterprises on New and Emerging Risks" (ESENER) leiden vor allem Unternehmen im Gesundheits- und Sozialwesen unter der Zunahme psychosozialer Risiken. An dritter Stelle folgt der Bildungsbereich. Ungefähr die Hälfte der Befragten kritisiert, dass es schwieriger sei, mit Stress oder Mobbing umzugehen als mit anderen Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz. Das liege nicht zuletzt auch in dem vielfach tabuisierten Thema psychischer Erkrankungen begründet. Nur ein Viertel der europäischen und 16 Prozent der deutschen Betriebe versucht mit gezielten Maßnahmen gegenzusteuern.

Laut ESENER sollten Firmen ihre Mitarbeiter in Gesundheitsmaßnahmen unmittelbar einbeziehen, um dem Problem Herr zu werden. Dass konkrete Maßnahmen auch umgesetzt würden, sei wahrscheinlicher, wo Arbeitnehmervertreter sich für Arbeitsschutzmaßnahmen verwendeten. Immerhin 84 Prozent der Unternehmen mit einem Betriebsrat könnten formelle Regelungen zum Arbeitsschutz vorweisen. Wer Mitarbeiter direkt einbezieht, leistet auch mehr im Kampf gegen psychosoziale Risiken.

Handlungsbedarf vor allem im Mittelstand
Angesprochen auf die größten Hemmnisse für betrieblichen Gesundheitsschutz beruft sich jeder dritte Manager auf mangelnde Zeit- sowie Personalressourcen sowie fehlendes Geld. Jeder Vierte beklagt mangelndes Bewusstsein. Kleinere Unternehmen benötigen mehr Hintergrundwissen und fachliche Anleitungen, um ihr Risikomanagement effizient zu gestalten und um erfolgreiche Präventionsmaßnahmen umzusetzen.

Hier zeigt sich großer Handlungsbedarf. Vor allem um die mittelständischen Betriebe in Europa für den Gesundheitsschutz zu sensibilisieren, hat EU-OSHA vielfältige Informationsangebote entwickelt. Dazu zählt eine Datenbank, die Checklisten, Handbücher sowie interaktive Tools zur Gesundheitsbeurteilung beinhaltet und auf die kostenlos zugegriffen werden kann: www.osha.europa.eu. In der Entwicklung ist zudem ein "Online-Tool zur Gefährdungsbeurteilung" (OiRA).
 
Von Max Leonberg