Stilvoller Abgang

Der Vertrag für den neuen Job ist unter Dach und Fach. Das ist der angenehme Teil. Die ungeliebte bisherige Arbeitsstelle muss aber noch gekündigt werden. Das ist der unangenehme Teil. Es gibt allerdings einige Tipps für einen würdevollen Abgang.

Wenn der Vertrag für den neuen Job unterschrieben ist, steht das unvermeidliche Kündigungsgespräch mit dem Chef an. "Wer kündigen will, sollte sich im Klaren darüber sein, dass der Arbeitgeber durchaus verletzt reagieren kann", sagt Jürgen Hesse, Experte in Sachen Karriere und Geschäftsführer des Büros für Bewerbungsstrategie in Berlin. So kann der sonst sehr sachliche Chef auf einmal zur Mimose werden. Schließlich ist er es nicht gewohnt, dass man ihm den Rücken kehrt. Daher gilt es, in dem Gespräch Gefühle wie Eifersucht, Neid und Rache gar nicht erst aufkommen zu lassen. "Erwähnen Sie nur die guten Seiten des Jobs, loben Sie den Chef und die Zeit, die Sie im Unternehmen verbracht haben, und erzählen Sie, was Sie währenddessen alles gelernt haben", rät der Diplom-Psychologe.

Auch wenn es schwer fällt: Der aufgestaute Frust und die Probleme rund um den Job müssen außen vor bleiben. Das ist nicht der Moment der Abrechnung. Jetzt geht es nur darum, sich in freundschaftlicher Stimmung zu trennen. Auch in der Arbeitswelt gilt die Lebensweisheit: Man trifft sich im Leben immer zwei Mal. Noch kann der Vorgesetzte Ihnen das Leben schwer machen. Spätestens das Abschlusszeugnis gibt ihm die Gelegenheit, sich für den Weggang zu rächen.

Deshalb sollte sich jeder, der sich um einen neuen Job bemüht, um ein Zwischenzeugnis kümmern. Wenn keine besonderen Probleme zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter bestehen, werden Zwischenzeugnisse in der Regel in einem motivierenden Ton geschrieben - schließlich soll der Arbeitnehmer nicht verprellt werden. Wenn der Mitarbeiter dann einige Monate später kündigt, kann das Abschlusszeugnis nicht auf einmal viel schlechter ausfallen als die frühere Beurteilung.

Nachdem Sie erst einmal freundlich das Gespräch mit dem Chef gesucht haben, sollten Sie ihm nicht gleich die schriftliche Kündigung auf den Tisch knallen. Auch dadurch könnte sich der Arbeitgeber gekränkt fühlen. Sagen Sie ihm am besten, dass Sie die Kündigung am nächsten Tag in schriftlicher Form nachreichen werden.

Möglicherweise macht der Chef Ihnen ein Gegenangebot. Er ist bereit, mehr zu zahlen oder er bietet eine attraktivere Aufgabe an. Hier müssen Sie hart bleiben. Schließlich haben Sie sich im alten Job schon lange nicht mehr wohl gefühlt und sich nach neuen Herausforderungen gesehnt. Mehr Geld wird dieses Gefühl auf Dauer nicht ändern. Außerdem sollten Sie sich fragen, warum der Arbeitgeber vorher nicht bereit war, mehr zu bezahlen. Lehnen Sie das Angebot so taktvoll wie möglich ab und konzentrieren Sie sich stattdessen auf die neuen Pläne.

Je nach Funktion im Unternehmen nehmen Mitarbeiter eine Menge betriebliches Know-how, wertvolle Kontakte oder sogar Geheimwissen mit. Dann müssen Sie damit rechnen, von einem Moment auf den anderen freigestellt zu werden. Wenn das nicht der Fall ist, sollten Sie sofort abklären, wie der weitere Ablauf aussieht. Wer bis zum Ende der Kündigungsfrist arbeiten muss, sollte sich in dieser Phase - immer das Abschlusszeugnis vor Augen - keine Fehler erlauben.

Verkneifen Sie sich, Ihren Kollegen nach dem Kündigungsgespräch freudestrahlend von Ihrem Abschied zu erzählen. "Diese Nachrichten sollte man auch dem Chef überlassen", sagt Jürgen Hesse. "Das zeigt, dass der Mitarbeiter loyal ist bis zur letzten Minute." Er rät, den Kollegen gegenüber generell vorsichtig zu sein. Nicht jeder wird die Freude über den neuen Arbeitsplatz teilen. Da kommen Neidgefühle auf oder auch einfach nur Ärger über die Aussicht, erst einmal mehr Arbeit zu haben.

Bei einer Kündigung geht es auf beiden Seiten darum, die Contenance zu bewahren. Hier hat der Chef eine gewisse Vorbildfunktion. Deswegen tut er gut daran, den - vielleicht ungeliebten Mitarbeiter - mit einem Blumenstrauß und ein paar warmen Worten in seine berufliche Zukunft zu schicken.
 
Von Britta Hecker