Status - Rollenspiele im Berufsleben

"Wir spielen immer", so lautet der Titel der Erinnerungen von Will Quadflieg. Damit bezog sich der große Schauspieler nicht nur auf das Leben seiner Bühnenkollegen, sondern beschrieb äußerst treffend unsere Kommunikationspraxis im Alltag. Vor allem verdeutlicht sich dieses Spiel in den Beziehungen zu Mitarbeitern, Chefs und Kunden im Arbeitsleben, denn hier wird schnell klar, um was es eigentlich geht, wenn mindestens zwei Menschen aufeinander treffen: Um ständige bewusste oder unbewusste Statusveränderungen.

Der Status einer Person ist in diesem Fall getrennt vom sozialen Status zu betrachten, ist also unabhängig von Geld, Herkunft oder Aussehen. "Man muss Status verstehen, als etwas was man tut", erklärt der Erfinder des modernen Improvisationstheater, Keith Jonstonen, in einem seiner Bücher den anfänglich verwirrenden Begriff des Status. Der Schauspiellehrer Jonstone suchte nach einer authentischen Darstellung von Dialogen auf der Bühne und wunderte sich, dass die Gespräche meist hölzern und "unecht" wirkten. Erst als er den Schauspielern Anweisungen gab, ihren Status etwas über oder unter den des Partners zu bringen, wurden die Situationen authentisch und ähnelten "echten" Gesprächen.

Status als Grundlage der Kommunikation
Die Begriffe "Hochstatus" und "Tiefstatus" könnten vielleicht vorsichtig mit Dominanz und Unterwerfung übersetzt werden, denn genau darum geht es in jeder menschlichen Kommunikation. Wobei sich die Statusveränderungen ähnlich einer Wippe verhalten, wenn sich der eine erhöht, sinkt der andere herab. Diese Tatsache findet jedem Bereich des Lebens statt, ist unausweichlich und grundsätzlich weder positiv noch negativ zu bewerten.

Grundsätzlich hat jeder einen bevorzugten Status, aus dem er heraus agiert und der Einfluss auf die Körpersprache, die Stimme, die Mimik und letztlich auch auf die Gefühle hat. Bei den allermeisten Menschen ist das der Tiefstatus, denn wir sind harmoniesüchtig und scheuen in der Regel Konflikte. "Verkürzt gesagt geht es beim Spiel um den Status um Sympathie und Respekt", meint Katja Langenbach, die als langjährige Theaterregisseurin eine genaue Beobachterin ihrer Umwelt ist. "Der Hochstatus-Spieler erkämpft sich Respekt und legt keinen besonderen Wert darauf gemocht zu werden, während der Tiefstatus-Spezialist seiner Umwelt permanent seine Ungefährlichkeit zeigt und dadurch gemocht wird".

Sich bewusst auf Rollen einlassen
Wobei man nicht auf einen Status festgelegt ist - der Trick besteht beim Spiel mit dem Status darin, bewusst seinen Status seinen Zielen anzupassen und zu verändern. Doch wie erkennt man denn nun den klassischen Hoch- oder Tiefstatustypen? "Auf der Bühne kann man sich diese Typen regelrecht bauen", meint Theaterprofi Langenbach. "Der Chef wird in einer Besprechung den Kopf sehr ruhig halten, sich langsam und zielgerichtet bewegen und mit entspannter, eher tiefer Stimme sprechen. Im Gegensatz dazu wird ein Mitarbeiter oder sogar Praktikant vielleicht mit übergeschlagenen Beinen und gefalteten Händen dasitzen und bei der Nennung seines Namens fahrig die Zettel vom Tisch fegen und sich japsend entschuldigen."

Das interessante an diese Beobachtungen ist die leichte Überprüfbarkeit im Alltag, denn man kann täglich kleine Status-Spiele und deren Auswirkungen ausprobieren. Wie verändert sich mein Status und damit auch der meines Gesprächspartners, wenn ich Gedankenpausen in meiner Rede nicht mit kurzen "Ähs", sondern mit einem lang gezogenen "Hm" fülle? Sicherlich wird man Sie nicht unterbrechen, Sie werden ruhiger, atmen tiefer und werden vom Gegenüber als souveräner wahrgenommen.

Erfolgreich mit Intuition
Und wie verhält es sich mit hochwertiger Kleidung, dem neuen Auto oder teurem Schmuck? Haben diese Dinge keinen Einfluss auf meinen Status? "Letztendlich sind diese 'Requisiten' nur Status-Heber und spielen eine absolut untergeordnete Rolle. Das Wissen über Status ist intuitiv", sagt Katja Langenbach abschließend.

Im Berufsleben hat übrigens der Charismatiker am meisten Erfolg, das Geheimnis seines Durchsetzungsvermögens besteht dabei in einem hohen inneren Status und einem äußerlich tiefen Status. Auf diese Weise kann beispielsweise ein guter Verkäufer ein starkes Selbstbewusstsein und den Spaß am Bedienen perfekt kombinieren und im richtigen Moment auch außen in den Hochstatus wechseln, um das Geschäft abzuschließen.
 
Von Manuel Boecker