Softwareentwickler ohne Soft Skills

Informatiker zählen zu den am meisten gesuchten Fachkräften in der Arbeitswelt. Besonders auf Softwareentwickler haben es die Firmen, ob groß oder klein, abgesehen. Das Problem: Die in Technik vernarrten jungen Leute verlassen die Hochschulen als kleine Daniel Düsentriebs, sind aber in den Betrieben mangels kommunikativer Fähigkeiten eher ein Störfaktor.

Simon Bierbaum liegt die Welt zu Füßen. Der Informatiker hat vor einigen Jahren an der TU München sein Diplom erworben und dank hervorragender Leistungen zusätzlich an der Bayerischen Eliteakademie studieren dürfen. Teilnehmer werden dort auf Führungsaufgaben in der Wirtschaft vorbereitet. Sie lernen, wie man sich am besten präsentiert und im Team durchsetzungsstark eigene Ideen vermarktet. Für Bierbaum eine neue Welt: Viele Informatiker zeichnet aus, dass sie nur am PC sitzen und kaum mit ihren Kollegen live kommunizieren.

Fachkenntnis ist kein Ersatz für soziale Kompetenz
99 Prozent der Informatiker sind solche Bedingungen, wie sie Bierbaum kennen lernen durfte, unbekannt. Im Studium, sagt Elisabeth Heinemann von der Fachhochschule Worms, lernen sie alles Mögliche, nur nicht, wie sie mit Kollegen am Arbeitsplatz zusammenarbeiten. Heinemann ist die erste Informatikprofessorin, die Studenten in Schlüsselqualifikationen ausbildet. Täglich ist sie mit einer Generation konfrontiert, die sich zunehmend in ihrer virtuellen Welt verbarrikadiert. Manche Studenten werden schon nervös, wenn sie plötzlich aufgefordert werden, den Computer zuzuklappen und jemandem zuzuhören. Nun können sie nicht mehr auf sicherem Terrain den Helden markieren wie in World of Warcraft.

Ihrer Ansicht nach gehört die Ausbildung von Schlüsselkompetenzen unbedingt in das Informatikstudium hinein. Dabei beruft sich Heinemann auf den Bologna-Prozess, der Employability, also die Beschäftigungsfähigkeit von Studenten und Absolventen, bereits 1999 als Richtschnur festschrieb. Doch bis heute hat sich nicht viel geändert. Unlängst berichtete ihr ein Lufthansa-Manager von seinen leidigen Erfahrungen mit Informatikabsolventen, die er während eines Auswahlverfahrens bat, ihr Verständnis von Projektmanagement einmal am Flipchart zu erläutern. Was folgte, war das reinste Gestammel. Die jungen Leute mögen zwar am Computer wahre Genies sein, sagte er, für den Vertrieb eignen sie sich aber nicht.

Programmieren erfordert Kommunikation
Niemand erwartet, dass gerade Informatiker sich zu Spitzenverkäufern entwickeln. Von Softwareentwicklern kann dies erst recht nicht verlangt werden. Dennoch kommen auch die programmiertechnisch sehr gut ausgebildeten Kräfte heute nicht mehr ohne kommunikative Kompetenzen weiter. Programmieren ist immer mehr durch Teamarbeit geprägt. Entwickler müssen heute wissen, wie Prozesse umgesetzt werden. Sie müssen aktiv zuhören, vernetzt denken, Fragetechniken beherrschen, nachhaken und dranbleiben, beschreibt Heinemann das Anforderungsprofil.

Das kann Steffan Schiffert von Avira in Tettnang nur bestätigen. Kommunikationsfähigkeit ist uns sehr wichtig, wenn wir Bewerber auswählen, sagt der Cheftechniker des deutschen Herstellers von Sicherheitssoftware. Davon, wie gut sich die jungen Leute verständigen, hängt schließlich der gesamte Entwicklungsprozess ab: In jedem Review-Meeting muss der Entwickler seinen Ansatz vortragen, rechtfertigen und mit Verbesserungsvorschlägen konstruktiv umgehen können.
 
Von Max Leonberg