Social Networking - Wie die Spinne im Netz

Spinnen ziehen uns magisch an. Der eine kreischt vor Erregung, der andere erkennt in ihnen ein Wunderwerk von Mutter Natur. Wer ist nicht fasziniert davon, wie die langbeinigen Kleinhirnträger seelenruhig ihre Fäden ziehen, um in diesen Kunstgebilden ihre Beute zu fangen und so ihren Fortbestand zu sichern? Minutiös am Netz zu stricken ist aber nicht auf die Fauna beschränkt, sondern dient auch in der Berufswelt dem eigenen Fortkommen. Man muss nur wissen, wie.

Vitamin B öffnet Tür und Tor. Das kann jeder bestätigen. Man braucht nicht erst in die Politik oder die Wirtschaft zu schauen, um zu ermessen, wie wichtig gute Kontakte für die Karriere sind. Auch im privaten Umfeld lohnt es sich, ein dichtes Kontaktnetz zu knüpfen: Wer im Sportclub, der Bürgerinitiative oder dem Karnevalsverein aktiv ist, verfügt bereits über ein Kontaktnetz, das mit zahlreichen Vorteilen verbunden ist.

Doch wer im Beruf weiterkommen will, muss kein "Vereinsmeier" sein. Und nicht nur beim Golfen kommen gewinnbringende menschliche Begegnungen zustande. Insbesondere Einsteiger wie junge Hochschulabsolventen tun gut daran, sich ein Netzwerk aufzubauen. Also bewusst neue Kontakte suchen, aber auch die alten pflegen. Beispiel: Hannes Bürger möchte unbedingt als Betriebswirt bei der Deutschen Post arbeiten. Er wartet also nicht, bis er irgendwann eine Stellenanzeige entdeckt, sondern beginnt schon während seines Studiums an der Universität Köln, unter Freunden, Nachbarn, Verwandten und Bekannten Post-Mitarbeiter zu suchen, die ihm über das Unternehmen erzählen und viele wertvolle Insidertipps parat haben.

Berufliche Netzwerke öffnen Tür und Tor
Ideal wäre natürlich, wenn der "heiße Draht" direkt in die Geschäftsleitung führt und dort jemand außerordentlich Wichtiges ein Wort für den Kandidaten einlegt. Doch auch aus gut unterrichteten Kreisen weit unterhalb der Top-Management-Ebene können wertvolle Informationen in die Außenwelt gelangen: Zum Beispiel hat sich längst herumgesprochen, dass neue Projekte gestartet oder spezielle Bereiche personell aufgestockt werden sollen. Mit diesem Insiderwissen in der Hand, lassen sich überzeugende Bewerbungen schreiben. Unter Hinweis auf seriöse Quellen, also einem absolut zuverlässigen und respektablen Mitarbeiter, bringt man eine Trumpfkarte ins Spiel. Wichtig: Jeder noch so kleine Anknüpfungspunkt kann Gold wert sein.

Wer ganz sicher gehen will beim Aufbau des beruflichen Kontaktnetzes, ist gut beraten, sich einen Leitfaden für erste telefonische Anfragen und persönliche Begegnungen zurechtzulegen. Ganz Pfiffige bereiten einen "Zwei-Minuten-Spot" vor, den sie bei jeder Gelegenheit von der Festplatte im Kopf abrufen können. Sie teilen ihrem Gesprächspartner in wenigen Augenblicken mit, wer sie sind, was sie am Unternehmen interessiert und warum sie sich für einen Job besonders qualifiziert fühlen. Ist das Ziel zum Greifen nahe und fand die erste Vorstellung in der Personalabteilung bereits statt, sollte der Bewerber vor allem eines beachten: bei der Sekretärin einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Wer arrogant durchs Vorzimmer schwebt oder schnippische Bemerkungen macht, hat den Einfluss des Sekretariats auf die Personalentscheidung sträflich unterschätzt.
 
Von Max Leonberg