Senioren im Trend

Ältere Mitarbeiter haben es nach wie vor schwer in der Wirtschaft. Arbeitsmarktforschern zufolge beschäftigt mehr als die Hälfte der deutschen Betriebe keine Mitarbeiter über 50. Obwohl technisch beschlagene Akademiker händeringend gesucht werden, ist nur ein Bruchteil der Unternehmen bereit, ältere Ingenieure einzustellen, wie Umfragen zeigen.

Das hat mit Weitblick nichts zu tun. In gut zehn Jahren, dies lässt sich ziemlich genau vorhersagen, werden fast 40 Prozent aller Beschäftigten zwischen 50 und 65 Jahre alt sein. Aber immer weniger Junge rücken nach. Freilich bleiben Manager bei ihrer Einschätzung: Ältere würden zu viel kosten, sagen sie. Und ihnen sei weniger zuzumuten als Jüngeren.

Umstrukturierung der Teams gefordert
Doch die Realität sieht anders aus, der zunehmende Fachkräftemangel sollte eigentlich jeglichen Jugendkult erübrigen. Nach Jahren der politisch gewollten Frühverrentung müssen Unternehmen sich wieder auf die Kompetenz ihrer älteren Beschäftigten besinnen und den Wissenstransfer zwischen den Generationen sichern. Tandems zwischen Junior und Senior oder altersgemischte Teams eignen sich aus Sicht von Experten hervorragend dazu.

Freilich sind die vielleicht größten Blockierer jeglicher Veränderungen die Menschen selbst, beobachtet Detlev Trippler von der Maschinenbau- und Metall-Berufsgenossenschaft in Leipzig. "Während sich die einen spezialisiert haben und schneller sind als ihre Kollegen, wollen die anderen unbedingt im Akkord besser verdienen." Beim LKW-Konzern MAN in Salzgitter hat man hingegen eine neue Ära eingeläutet. Das Unternehmen setzt alles daran, nicht in die Altersfalle hineinzuschlittern.

Jung und Alt im Team
Ein Blick auf die Beschäftigtenstruktur zeigt, wie ernst die Lage bereits ist. Jeder zweite MAN-Mitarbeiter hat das 40. Lebensjahr überschritten, in zehn Jahren werden die Senioren weit in der Überzahl sein. Deshalb hat MAN alle Arbeitsplätze darauf untersuchen lassen, ob sie den Bedürfnissen einer alternden Belegschaft überhaupt noch gerecht werden.

Den Verantwortlichen geht es nicht allein darum, dass Mitarbeiter regelmäßig zur Vorsorge gehen, die vom Blutdruckmessen über die Grippeschutzimpfung bis zum Darmkrebs-Screening vielfältig angeboten wird. Ärztliche Vorsorge, Sportprogramme sowie Ernährungsberatung und Raucherentwöhnung sind nur Mosaiksteine, um die galoppierende Alterung von Belegschaften in den Griff zu kriegen. Hinzu treten müssen altersgerechte Arbeitsplätze; auch wie Arbeit organisiert ist, gehört aufs Tapet. Jobrotation etwa hilft, einseitige Belastung abzufedern und Tätigkeiten mit neuen Inhalten anzureichern. Das alles fruchtet indes kaum, wenn ältere Beschäftigte von Weiterbildung ausgeschlossen werden, weil Altwerden in der Wertschätzung so niedrig ausfällt.

Nur jedes vierte Unternehmen bietet explizit Weiterbildungsmaßnahmen für Mitarbeiter über 50 an, so eine aktuelle Studie von Pricewaterhouse Coopers (PWC). Ältere Mitarbeiter als wichtige Ressource gezielt zu fördern, ist überfällig. Ergonomische Korrekturen und striktere Arbeitsschutzrichtlinien allein federn das demografische Problem nicht ab. Auf dem Spiel steht auch die Unternehmenskultur.
 
Von Winfried Gertz