Selbsterfahrung statt Analysen

Immer mehr MBA-Programme setzen stärker auf Persönlichkeitsentwicklung und die Schulung von Leadership. Denn gute Führungskräfte müssen nicht nur Systeme und Prozesse managen, sie müssen auch Menschen motivieren und inspirieren.

Arrogant, unsensibel und karrieresüchtig - MBA-Absolventen haben nicht immer gerade das beste Image, wenn es um ihre Persönlichkeit und Führungsfähigkeiten geht. Das soll sich ändern. Immer mehr Business Schools integrieren daher mehr Selbsterfahrung in ihre Studiengänge. "Es gibt einen Trend zu mehr praktischer Anwendung", erklärt Evelyn Williams, Direktorin des Center for Leadership Development and Research an der kalifornischen Stanford Graduate School of Business. Statt Fallstudien stehen daher seit Herbst auch Selbst-Assessments, Simulationen und Coaching durch Professoren und Alumni auf dem Lehrplan. In Rollenspielen müssen die Studenten dann auch Kündigungsgespräche führen. "Wir wollen den Studenten beibringen, wie sie faire Entscheidungen treffen, nach denen sie nachts noch schlafen können", sagt Williams.

Auch an der Universität St.Gallen ist Persönlichkeitsentwicklung seit kurzem Pflicht. In dem Kurs "Personal Development for the Responsible Manager" geht es um Teamentwicklung, Konfliktmanagement, Karriere und verantwortliches Handeln. Lernziel ist es, seinen eigenen Lernprozess zu reflektieren und die so gewonnene Selbsterkenntnis sowohl für die persönliche als auch für die berufliche Entwicklung zu nutzen. Dazu gibt es auch Selbsterfahrungs-Kurse mit Künstlern, Schauspielern und Musikern.

Auf vielfältige Methoden, vom Geschichtenerzählen bis zum gemeinsamen Musizieren, setzt die britische Ashridge Business School. So mimen Schauspieler in Rollenspielen Mitarbeiter, die sich über Mobbing beklagen. "Die Studenten müssen in einer konkreten Arbeitssituation handeln und bekommen ein ausführliches Feedback vom Schauspieler und Professor", erklärt Steve Seymour, Direktor für das Executive MBA Programm. Schließlich scheiterten viele MBA-Absolventen in der Praxis an der Umsetzung des Gelernten, weil die Menschen nicht mitziehen. Seymour: "Das klappt umso eher, je besser man versteht, wie man selbst auf andere wirkt."
 
Von Bärbel Schwertfeger