Schwangerschaft - Risiko des Jobverlustes

Ohne Zweifel bedeutet eine Schwangerschaft für eine Frau einen nicht wieder aufholbaren Karriereknick. Da das Land jedoch auf Nachwuchs dringend angewiesen ist, unternimmt die Politik große Anstrengungen, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Die ganz persönliche Reaktion des Chefs auf eine Schwangerschaft fällt jedoch meist ernüchternd aus.

Es hört sich alles so schön an beim Bundesfamilienministerium: "Eine familienfreundliche Arbeitswelt voranzutreiben ist wesentlicher Teil unserer nachhaltigen Familienpolitik." Familie wird hier gern als Erfolgsfaktor und Familienfreundlichkeit als der wichtigste Standortfaktor eines Unternehmens verkauft. Eine Statistik des DGB belegt dagegen, dass sich jedes Jahr Auszeit, das sich Berufstätige nehmen, in einer dauerhaften Einkommenseinbuße von bis zu drei Prozent niederschlagen kann.

Schwangerschaft als Stigma
Und in Ländern wie Deutschland, in denen wenige Mütter auf dem Arbeitsmarkt aktiv sind, ist auch die Geburtenrate am niedrigsten. Die Notwendigkeit einer höheren Geburtenrate wird überall erkannt, doch die Akzeptanz von Kindern in der Gesellschaft steigt dadurch nicht zwangsläufig. Meist hapert es schon an der Toleranz gegenüber Schwangeren.

Lea Pfister hat als Beamtin im öffentlichen Dienst einer deutschen Großstadt äußerst enttäuschende Erfahrungen mit ihrer Schwangerschaft gemacht. "Ich wollte meiner Chefin entgegenkommen und sie so früh wie möglich von meiner Schwangerschaft unterrichten, damit nach einer Interimslösung gesucht werden kann." Eine Verpflichtung, das Unternehmen über die Schwangerschaft zu informieren, besteht grundsätzlich nicht, aber die Schutzfristen gelten erst mit einer Mitteilung. Im Fall von Lea Pfister endete das unvorbereitete Gespräch mit der Chefin in einer negativen Überraschung.

Risikofaktor Schwangerschaft
"Der Vorwurf, sofort nach der Verbeamtung schwanger zu werden und damit den Staat auszunutzen, traf mich noch recht milde. Dazu kam dann die Indiskretion, gleich zwei Kollegen, die sich zufällig im Raum befanden, ebenfalls zu informieren, aber als ich ankündigte, wegen gesundheitlicher Beschwerden durch die Schwangerschaft für einige Zeit sofort auszufallen, war das Klima völlig vergiftet."

Die Erfahrung zeigt, dass gerade weibliche Chefs auf eine Schwangerschaft mit dem meisten Unverständnis reagieren. Ob dabei Neid und Eifersucht oder der Umgang mit der eigenen Schwangerschaft eine Rolle spielt, ist nur im Einzelfall zu klären. Reaktionen wie "Schwangerschaft ist keine Krankheit" oder "Erwarten Sie nun keine Rücksicht" sind jedenfalls keine Seltenheit. Die Tatsache, dass jede Schwangerschaft sehr individuell verläuft und die Leistungsfähigkeit schwankt, übersehen viele Chefs und Kollegen gerne.

Natürlich ist für ein Unternehmen der Ausfall einer Mitarbeiterin für zwei oder mehr Jahre und der damit verbundenen Suche nach einer Übergangslösung schwierig und meist teuer, doch auch männliche Arbeitnehmer bieten keine Garantie für ein durchgängiges Arbeitsleben. Denn bei Männern beginnen die Ausfallzeiten mit Mitte vierzig oder später, wenn Krisen, Burn-Outs oder Herzinfarkte lange Ausfälle nach sich ziehen.
 
Von Manuel Boecker