Schlechte Stellenanzeigen schrecken Bewerber ab - Stelle im falschen Licht

Über die Qualität von Stellenanzeigen sind tonnenweise Bücher geschrieben worden. Doch die Botschaft, sich der Werbung um Mitarbeiter ernsthafter anzunehmen, kommt in vielen Firmen einfach nicht an. Sie dilettieren weiter vor sich hin, dass es eine wahre Freude ist.

Personaler sind zu bedauern. Für die wirklich wichtigen Dinge finden sie einfach keine Zeit, weil sich so viele schlechte Bewerbungen auf ihrem Tisch stapeln. "Wir haben schon genug um die Ohren", sagen sie. "Aber was uns täglich mit der Post hereinflattert, ist ein einziges Martyrium."

Drehen wir den Spieß einfach mal um. Unternehmen präsentieren sich selbst sehr nachlässig auf den Personalmärkten. Vielen Firmen sei gar nicht bewusst, wem sie die Gestaltung ihrer Stellenanzeigen anvertrauen, sagt die Unternehmensberaterin Monika Rösler aus Idstein. Manche Personaler ließen sich ihre Anzeigen von Agenturen texten, die von dem Metier wenig verstehen. "Dort greifen sogar arbeitslose Rechtsanwaltsgehilfinnen zur Feder."

Fehlerhafte Stellenanzeigen - ein Argument gegen den Arbeitgeber
Zur Sache: Statt mit pointiert formulierten, inhaltlich klaren und grafisch schlüssig konzipierten Anzeigen wird das Publikum konfrontiert mit einem Deutsch, das keinem Lehrer durchgehen würde. Da offeriert ein deutscher Internetprovider "Praktikas", und statt "ß" und "ss" korrekt zu verwenden, trimmt ein führender Autobauer gleich einen kompletten Anzeigentext auf "ss" - mit freundlichen Grüssen.

Nicht nur bei der Interpunktion geht es drunter und drüber. Auf bescheidenem Niveau bleiben die Texte auch grammatikalisch und stilistisch. Verschachtelte Satzungetüme, die an Thomas Manns Buddenbrooks erinnern, sind gerade bei Online-Texten fehl am Platz. Oder wissen Personaler etwa nicht, dass die Aufmerksamkeit bei der Lektüre von Bildschirmtexten geringer ist als beim Lesen gedruckter Buchstaben?

Besonders beliebt ist die Substantivitis, ein "ung" reiht sich an das andere. Das auch als "Plastiksprache der Berater" bekannte Phänomen - viel zu sagen, ohne auf den Punkt zu kommen - durchzieht viele Annoncen wie ein roter Faden. Die Autoren wissen offenbar nicht, was sie sagen wollen. Oder wollen sie verbergen, dass sie eigentlich gar nichts zu sagen haben?

Offene Kommunikation wird gefordert
Regelrecht verhunzt wird die Personalwerbung schließlich durch "Denglisch". "Good to know you - als Distriktmanager", schreibt ein Zeitarbeitsunternehmen. Ein süddeutscher Robotikspezialist sucht für ein "World Support Center" den "Support Engineer Linebuilder" als Ansprechpartner "für seine Key-Kunden". Wenn unbedingt die Internationalität des Hauses betont werden soll, wäre eine englische Textversion geeigneter. Entweder sind Anzeigen nachlässig gestaltet oder sie strotzen vor eitler Nabelschau und weltfremden Kandidatenprofilen. Stärker denn je setzt sich der Typus des "High Potential" oder des "Young Professional" in Szene: weit unter 30, dreisprachig, doppelt akademisch qualifiziert - ein personalwirtschaftlicher Klon.

Personalberater warnen: Viele Bewerber lassen sich von einem vermeintlich attraktiven Angebot anlocken, suchen nur wenige Wochen später enttäuscht wieder das Weite. Statt offen miteinander zu kommunizieren, wie in Anzeige und Einstellungsgesprächen versprochen, herrscht eisiges Schweigen im Kollegenkreis. Im Krieg um Talente ein großer Fehler. Dort liegen diejenigen Firmen vorn, die sich geschickter vermarkten.
 
Von Winfried Gertz