Sanierer gefragt

In vielen Unternehmen bleibt angesichts einer Wirtschaftskrise kein Stein auf dem anderen. Um beim bevorstehenden Aufschwung mit von der Partie zu sein, geraten marode Strukturen auf den Prüfstand. Interim Manager kommen wie gerufen - als Sanierer.

Das Berufsfeld des Interim Managers ist von zahlreichen Klischeevorstellungen geprägt. Zum Beispiel eilt den temporär bestallten Managern der Ruf eines Feuerwehrmannes voraus, der wie der legendäre Red Adair keinen noch so heiklen Einsatz scheut und am liebsten schnurstracks dorthin geht, wo sich andere die Finger verbrennen. Freilich hat das etwas angestaubte Berufsbild etwas Farbe angenommen: Inzwischen sind Interim Manager selbstverständlich bei Fusionen und Übernahmen mit dabei, setzen neue Vertriebskonzepte um oder stemmen komplexe Migrationsprojekte im IT-Bereich - und dies meist völlig unspektakulär.

Interim Management - Krisensichere Aussichten
Dennoch sind gerade jetzt in der konjunkturellen Schieflage wieder gestandene Sanierer gefragt. Wie der Interim Management-Verband AIMP erwartet, wird es im laufenden Jahr vermehrt Aufträge für sanierungserfahrene Manager geben. Nachdem die Branche im ersten Halbjahr auf dem Tiefpunkt der Krise einen herben Rückschlag beim Auftragseingang verbuchen musste, zieht die Nachfrage nach Interim Managern inzwischen wieder an. "Der Bedarf an operativer Sanierung nimmt deutlich zu", so der AIMP-Vorsitzende Anselm Görres.

Laut AIMP ist die Sanierung das wohl prägendste Arbeitsfeld des professionellen Interim Managements geblieben. "Neben den Klassikern Projektarbeit und der Überbrückung von personellen Vakanzen stellen Sanierungen einen wichtigen Einsatzbereich dar", so Görres. Vehement wehrt sich Görres gegen das weitverbreitete Feindbild des "blutigen Sanierers", das für ihn eher in den Bereich der Karikatur gehört. "Schließlich korrigiert der Sanierer vorausgegangene Fehler und bemüht sich um die bestmögliche Lösung im Sinne des gesamten Unternehmens", so der AIMP-Vorsitzende.

Was für Interim Management spricht
Gleichwohl gibt es einige Baustellen in der Interim Management-Branche. Um die zahlenmäßig nach oben schnellende Nachfrage nach erfahrenen Sanierern bedienen zu können, sind strukturelle Veränderungen erforderlich. Wie auf dem AIMP-Jahresforum Anfang Juli zu erfahren war, wollen die Vermittler von Interim Managern, die immerhin jeden dritten externen Spezialisten für Projekte rekrutieren, ihre Zusammenarbeit mit spezialisierten Sanierungsfirmen verstärken. Zudem will man auch von Verbandsseite Kontakte zu Wirtschaftsanwälten und Insolvenzverwaltern vertiefen. Wer das Sagen haben sollte, ist für Görres klar: "Die tatsächliche Sanierung erfolgt nicht durch papierne Gutachten, sondern durch praktisches Gutmachen. Und das können Manager besser als Juristen."

Über die Pools der Vermittler werden laut AIMP derzeit rund 1.000 sanierungserfahrene Interim Manager angeboten. Nach Ansicht des Verbandes sei von ihnen mehr zu erwarten als von "aufgeblähten" Konzepten der einschlägigen Unternehmensberater, denen es vor allem an der Umsetzungskompetenz mangele. Ein Interim Manager sagte einmal: "Wenn andere Berater nur Papier produzieren, sorgen wir dafür, dass die Lösungsentwürfe auch sofort in die Praxis umgesetzt werden."
 
Von Max Leonberg