Rückkehr gut vorbereiten

Wer beruflich ins Ausland geht, bereitet seinen Aufenthalt meist gut vor. Weniger Gedanken machen sich die meisten für die Zeit nach ihrer Rückkehr. Dabei kann man die beruflichen Weichen für seine anschließende Karriere gar nicht früh genug stellen.

"Ich komme in meine gewohnte Umgebung zurück, so schwer kann es doch nicht sein, sich wieder einzugliedern." So denken viele, die ein paar Jahre fern der Heimat gelebt haben und nun nach Deutschland zurückkehren. Doch häufig merken sie dann, dass ihnen das Wiedereinleben zu Hause schwerer fällt als erwartet. "Reverse Culture Shock" nennen Experten diesen Zustand, den viele nach einem längeren beruflichen Auslandsaufenthalt erleben. "Die Zeit bleibt halt nicht stehen", so Karriere-Expertin Carolin Lüdemann von der Stuttgarter CoachAcademy. "Kollegen haben sich weiterentwickelt, während man selbst in der Regel genau dort weitermacht, wo man aufgehört hat, bevor man ins Ausland gegangen ist."

Carolin Lüdemann rät daher jedem Expatriate, seine Rückkehr am besten schon vor der Abreise ins Ausland zu planen. "Sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten, wie es nach Ihrem Auslandsaufenthalt weitergehen soll", so die Stuttgarterin. "Wichtig ist, das Besprochene schriftlich mit der Personalabteilung zu fixieren - denn nicht selten versprechen Unternehmen mehr, als sie anschließend halten können." Es lohnt sich also zu vereinbaren, ob es nach dem Auslandsaufenthalt tatsächlich zu einem Gehaltssprung oder einer Beförderung kommen soll und wie dieser konkret aussieht. Denn dann weiß der Expatriate schon genau, was ihn nach seiner Rückkehr erwartet.

Wer von seinem Unternehmen eine Weile ins Ausland entsendet wird, bekommt häufig eine Menge Privilegien: Der Arbeitgeber zahlt unter Umständen den Umzug der Familie ins neue Heim, die Miete, ein Kindermädchen, die Schulgebühren. Oft arbeitet der Expatriate im Ausland in verantwortungsvollen Positionen. Zurück in Deutschland fallen diese Begünstigungen wieder fort. "Plötzlich ist man kein großer Fisch mehr, sondern schwimmt wieder als einer unter vielen im Aquarium", so Carolin Lüdemann. "Damit kommen viele nicht zurecht."

Um den "Reverse Culture Shock" zu mildern, empfiehlt sie, auch während des Auslandsaufenthalts den Kontakt zu den Kollegen nicht abreißen zu lassen. "Per Internet und Telefon lassen sich Netzwerke heutzutage ja hervorragend pflegen", so die Karriere-Expertin. "Und auf Heimatbesuchen sollte man auf jeden Fall auch in der Firma vorbeischauen." Noch besser ist es, wenn man einen Mentor hat, der während der Abwesenheit die Verbindung zur Firma ist und den Expatriate über Neuerungen auf dem Laufenden hält. "Rechtzeitig vor der Rückkehr kann der Mentor dann schon mal die Augen nach einer neuen Stelle im Unternehmen offen halten", so Carolin Lüdemann. Drei bis fünf Jahre sollte man maximal von der Firma wegbleiben - danach wird es mit der Wiedereingliederung schwierig, vor allem, wenn man in einem ganz anderen kulturellen Umfeld gelebt hat.

Auch wenn ein längerer Auslandsaufenthalt heutzutage die Voraussetzung für eine Karriere ist - eine Garantie zum Aufstieg ist die Entsendung nicht. Nur jeder dritte Expatriate wird befördert, jeder zehnte sogar zurückgestuft, ergab eine Studie von PricewaterhouseCoopers. Rund 25 Prozent der Auslandsmitarbeiter verlassen aus Unzufriedenheit ihr Unternehmen kurz nach der Rückkehr. Umso wichtiger ist es also, sich rechtzeitig über die "Zeit danach" Gedanken zu machen. Wenn man es geschickt anstellt, sind die Jahre im Ausland nicht nur für den Beruf, sondern auch für den Expatriate ganz persönlich eine wertvolle Erfahrung.
 
Von Sabine Olschner