Richtig vorbereitet

Oft scheinen das Ende des Studiums und damit der Beginn des Arbeitslebens noch in weiter Ferne. Langfristiges Planen und gezielte Vorbereitung lohnen sich aber frühzeitig, ein guter Abschluss alleine überzeugt die Arbeitgeber nicht immer - ein Beispiel.

Neben den Noten und der Studiendauer gibt es eine ganze Reihe Kriterien, die für den Berufseinstieg wichtig sind. Ganz oben auf der Wunschliste vieler Personalchefs stehen z.B. neben studienbegleitender Berufserfahrung gute Fremdsprachenkenntnisse. Auch Schlüsselqualifikationen können den Arbeitgeber überzeugen: Ein interessantes Hobby, das Erasmus-Auslandsjahr oder eine Mitgliedschaft in einem Verein lassen auf solche schließen.

Wichtig: Der individuelle Rote Faden
Bei Marcel Gehlen (25) bildet das Studium der Allgemeinen Informatik an der Fachhochschule Aachen mit hervorragenden Abschlussnoten den Grundstock seines Lebenslaufes. Im Gegensatz zu Universitätsstudenten absolvieren FH-Studenten zwei Pflichtpraktika. Marcel setzte sich mit einem weiteren freiwilligen Praktikum von der Masse ab. Seine Praktika führten zu einer längeren Beschäftigung als Werkstudent. Generell ist eine Werkstudententätigkeit nahe am späteren Arbeitsfeld das Nonplusultra, denn man verdient nicht nur mehr als ein Aushilfskellner, sondern macht sich auch noch für den Arbeitsmarkt attraktiv, indem man beginnt, einen roten Faden durch den Lebenslauf zu spinnen. Auch die eigene Erfahrungswelt profitiert, schließlich muss jeder für sich entscheiden, welche Firma, welcher Job zu einem passen. Selbst ein unpassendes Praktikum kann eine wertvolle Erfahrung sein und Hinweise darauf geben, was man nicht möchte. Zudem ist die Gestaltung der Praktika seitens der Arbeitgeber ein wichtiges Indiz dafür, wie ernst sie es nehmen, Spitzenkräfte frühzeitig für sich zu interessieren. Marcel hat gute Erfahrungen gemacht: Ich habe mich nicht im studentischen Dreikampf kopieren, heften, Kaffee kochen geübt, sondern tatsächlich in unterschiedliche Bereiche der Software-Entwicklung geschaut.

Entwickeltes Profil zeigen
Für Marcel reichten wenige Bewerbungen, um den ersten Arbeitsvertrag bei seinem Wunscharbeitgeber zu bekommen. Unternehmen wollen individuell überzeugt werden. Deshalb begründete er bereits im Anschreiben, warum er in diesem Unternehmen arbeiten möchte und worin sein Beitrag zum Unternehmenserfolg bestehen könnte. Den Ausschlag für die Anstellung gaben aber nicht nur seine fachliche Expertise, sondern auch seine Teamfähigkeit gepaart mit Durchhaltevermögen: Im Vorstellungsgespräch konnte er mit der Mitautorenschaft an einem Buch punkten. Er hat aber auch Profil gezeigt, begründet, widersprochen und Fragen gestellt. Denn auch er wollte wissen, ob das Unternehmen zu ihm passt. Genau das hat den Arbeitgeber überzeugt.

Auch Arbeitgeber brauchen Profil
Es sind Absolventen wie Marcel Gehlen, die sich Arbeitgeber wünschen, die aber nicht einfach anbeißen. Top-Absolventen haben selbst in schwierigen Zeiten die Wahl. Dabei steht das Gehalt nicht mehr an erster Stelle bei der Jobsuche. Individuelle Förderung, interessante herausfordernde Projekte, ein gutes Arbeitsklima und interdisziplinäres Arbeiten werden immer wichtiger. Die Möglichkeit und Notwendigkeit sich im Arbeitsleben fachlich und persönlich weiter zu entwickeln, ist längst keine Pflicht mehr, sondern ausdrücklicher Wunsch des Arbeitnehmers. Die Chance, neben dem Beruf zu publizieren, den Kontakt zur Hochschule zu halten oder sogar zu promovieren zählen ebenso wie die Familienfreundlichkeit des Unternehmens. Flexible Arbeitszeiten oder die Option der Teilzeitarbeit können Arbeitskräfte auch mit Kindern in der Firma halten. Die Work-Life-Balance muss stimmen.
 
Von Julia Andersch