Restrukturierung für den Aufschwung

Nachdem die Krise noch immer nicht überwunden ist, greifen Unternehmen nun verstärkt zur Restrukturierung. Harte Maßnahmen wie der Personalabbau lassen sich nicht mehr vermeiden. Für Unternehmen und Mitarbeiter brechen andere Zeiten an.

Personalpolitik in Krisenzeiten ist kein Zuckerschlecken. Konnte das Schlimmste in 2009 noch vermieden werden, müssen Unternehmen inzwischen zu rigiden Maßnahmen greifen. Nach einer gemeinsamen Untersuchung des Ludwigshafener Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE) und der Initiative "Wege zur Selbst-GmbH" setzen Firmen immer weniger Hoffnung in die Kurzarbeit.

Personalabbau vermeiden
Nach Angaben des IBE tun Firmen alles, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Vor allem im vergangenen Jahr zogen sie sogenannte "weiche" Maßnahmen vor. Dazu gehören etwa die zeitweilige Versetzung von Mitarbeitern und der Abbau von Überstunden und Mehrarbeit. Druck abfedern können auch flexible Arbeitszeitmodelle und der Verzicht auf Entgelte und sonstige Vergütungsteile. Zusätzlich half die Kurzarbeit in 2009 vielen Betrieben, Entlassungen zu vermeiden.

Doch mit der weiter andauernden Wirtschaftskrise steigt der Kostendruck enorm. Wie die IBE-Umfrage unter 300 Unternehmen zum Ende des Jahres ermittelte, wollen immer mehr Firmen nun zum Personalabbau greifen. Umgekehrt liegt den meisten Betrieben viel daran, weiterhin auf Qualifizierung der Stammbelegschaft zu setzen und die Krise mittels Fairplay und offener Kommunikation durchzustehen.

Für den Aufschwung gerüstet
Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Deutschen Telekom und zugleich Vorstand der Selbst-Gmbh, erkennt darin einen zentralen Bewusstseinswandel. "Jahrelang haben die Personalbereiche beharrlich auf die drohende Fachkräftelücke hingewiesen. Heute ernten wir die Früchte. In der Krise gehen viele Unternehmen bis an die betriebswirtschaftliche Schmerzgrenze, um ihre wertvollen Mitarbeiter zu schützen."

Freie Kapazitäten intelligent zu nutzen und Mitarbeiter mit berufsbegleitenden Weiterbildungen fit für den nächsten Aufschwung zu machen, ist laut IBE die vorherrschende Devise vieler Personaler. Wie wichtig die Ressource Wissen geworden ist, scheint mittlerweile auch in Fachabteilungen und der Unternehmensleitung verstanden worden zu sein.

Geht es um Bezahlung und Arbeitszeit, wird das Klima insgesamt rauer. Das Spektrum reicht von "Professionellem Trennungsmanagement" bis zu Aufhebungsverträgen. Mitarbeiter müssen Einbußen hinnehmen: Freiwillige Leistungen werden überprüft und Lohn- und Gehaltssteigerungen verschoben. Die Maßnahme, nach der Probezeit zu kündigen, hat sich angesichts der restriktiven Einstellungspolitik der vergangenen zwölf Monate von selbst erledigt: Wer befindet sich denn noch in der Probezeit?
 
Von Max Leonberg