Qualitätsschub fürs Coaching

Allen Rufen nach längst überfälligen einheitlichen Qualitätsmaßstäben zum Trotz ist Coaching unverändert das Sammelbecken für Abenteurer und Glücksritter. Der Beruf ist ungeschützt, jeder Hinz und Kunz darf sich Coach nennen. Wie man das Problem in den Griff kriegen sollte, bleibt offen.

Schaut man in die im Internet feilgebotenen Coachingkurse, schwant einem Übles: Hier lernen Interessenten, wie man Verkäufern das Verkaufen beibringt, dort Buchhaltern das richtige Rechnen. Das Angebot in der Coaching-Weiterbildung gleicht einem Kessel Buntes. Wer unbedingt Coach werden will, findet sich nicht zurecht. Wer den richtigen Coach sucht, weiß auch nicht, an wen er sich wenden soll. Transparenz sieht anders aus.

Irrige Erwartungen
Die Situation könnte schlimmer nicht sein. Zahllose Verbände sprechen sich gegenseitig die Kompetenz ab, Personaler sind mit lauter selbsternannten Experten konfrontiert, und die am Coaching Interessierten wissen nicht, ob sie mit der Ausbildung nicht aufs falsche Pferd setzen. "Der Markt für Coaching", sagt Katrin Großmann von Seminus in Berlin, "ist undurchschaubarer denn je."

Großmann, die eine umfangreiche Datenbank für Weiterbildungsangebote vorhält, wird täglich von ratsuchenden Personalern angerufen. Sie wollen wissen, nach welchen Kriterien man bei der Suche nach dem richtigen Coach vorgehen sollte. Künftige Coachs wollen von Großmann erfahren, welche Ausbildung wirklich etwas taugt. Schätzungsweise 5.000 Weiterbildungsangebote gibt es fürs Coaching. "Da fällt es einfach schwer, eine Schneise zu schlagen", räumt Großmann ein.

Um nicht noch mehr mit der gewiss anspruchsvollen Tätigkeit Überforderte in den Markt zu lotsen, fahren manche Weiterbildungsanbieter einen harten Kurs. Auch Bela Roth, die in Starnberg ein Coaching-Institut leitet, legt die Messlatte hoch. "Wer sich hier zum Coach ausbilden lässt, muss viel Zeit und Energie investieren", sagt sie. "Damit schrecken wir diejenigen ab, die irrige Erwartungen an die anspruchsvolle Aufgabe eines Coachs mitbringen." Auch die Kosten haben sich gewaschen.

Qualitätsstandards gefordert
Bis man die Zertifizierung erhält, muss man fünf Jahre am Ball bleiben. Teilnehmer müssen Seminare besuchen, sich in regionalen Kleingruppen austauschen und im Team an kniffligen Fällen arbeiten. Aber auch der ausgebildete Coach darf sich nicht in die Hängematte legen und es bei der einmal erworbenen Qualifikation bewenden lassen. 16 Tage Supervision pro Jahr sind Pflicht, so bleiben die Coachs auf dem Laufenden.

Nicht nur Aspiranten müssen lernen, auch die ausgebildeten Coachs stehen in der Pflicht. "Selbst wer seit Jahren im Geschäft ist, sollte nachweisen, dass er sich fit hält in seinem Beruf", sagt Helga Krausser-Raether, Coach und Karriereberaterin in Frankfurt. So trennt sich die Spreu vom Weizen. Wem es an ethischer Gesinnung mangelt und wer lieber ans schnelle Geld denkt, läuft unter solchen Qualitätsvorgaben schnell ins Leere.

Dennoch bleibt mangelnde Transparenz im Markt das größte Problem. Selbst seriös klingende Gütesiegel haben es laut Seminus-Managerin Großmann in sich: "Nur weil ein angesehener Name draufsteht, muss nicht Qualität enthalten sein." Hoffnung verspricht man sich nun vor einer Initiative der Stiftung Warentest. Sie hilft, Ausbildungsangebote klar zu unterscheiden und bei der Auswahl von Coachs die richtigen Fragen zu stellen.
 
Von Winfried Gertz