Quälgeister aus dem Netz

Der Fernsehspot wird weg gezappt, das Anzeigenblättchen in die Altpapiertonne geworfen und bei der telefonischen Umfrage aufgelegt - fast schon alltägliche Übungen. Wenn aber dazu der Posteingang des Computers dauernd mit Spam-Mails verstopft ist, wird Werbung zu einem echten Ärgernis.

Bei Sinn und Zweck der Werbung scheiden sich die Geister: Während viele Menschen deutsche Werbung als zu viel und zu wenig originell empfinden, schätzen andere Konsumenten die unzähligen Informationen für den täglichen Einkauf.
Statistisch belegen lassen sich natürlich beide Positionen, denn rund um den riesigen Werbemarkt, mit einem Umsatz von ca. 30 Milliarden Euro im Jahr 2007, werden so viele Umfragen wie in keiner anderen Branche durchgeführt.

So erzeugt laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung unattraktive und reizlose Werbung einen großen Unwillen bei deutschen Konsumenten, wohingegen der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft zu völlig anderen Ergebnissen kommt. Der ZAW bescheinigt der Bevölkerung nämlich eine hohe Werbeakzeptanz. Aus einem Trend des Marktforschungsinstituts IMAS, nach dem nur für 8 % der Menschen das Leben ohne Werbung schöner wäre, wird der hinkende Umkehrschluss gezogen, dass die anderen 92 % der Bevölkerung in Werbung einen integralen Bestandteil ihres Lebens sehen.

Relativ eindeutig und übereinstimmend dürfte die ablehnende Haltung aller Internetnutzer in Bezug auf Spam-Mails sein, also unverlangt zugeschickten Werbemails meist aus der Erotik-, Arzneimittel- oder Kreditbranche.
Laut einer Online Umfrage der Verbraucherzentrale haben 99 % der Befragten in der Vergangenheit bereits Spam-Mails erhalten, ein Drittel bekommt wöchentlich mehr als 100 Spams. Obwohl die Rechtslage in Europa seit der letzten E-Privacy-Directive von 2003 eindeutig verbraucherfreundlich gestaltet ist und die Mitgliedsstaaten u.a. verpflichtet wurden, gegen unverlangte Werbemails vorzugehen, verzögern viele Länder die Umsetzung der Richtlinie und erschweren so häufig die Verfolgung von Spammern.

In Deutschland gilt die so genannte Opt-In-Regelung. Dies bedeutet, dass der Versender der Mail nachweisen muss, dass ihm das Einverständnis des Empfängers vorliegt. Bei schon bestehendem Geschäftskontakt darf eine Firma aber Informationen über Produkte verschicken, die vorherigen Einkäufen ähneln. Da eine Klage gegen Versender von Spam-Müll für den Einzelnen zeit- und geldraubend werden kann, ist es ratsam, unerwünschte Mails an die Beschwerdestelle der Verbraucherzentralen zu übermitteln, die in ausgewählten Fällen juristisch dagegen vorgehen.

Und was kann man selber vorbeugend gegen die elektronische Müllflut tun?
Eine große Rolle spielt hierbei der technische Schutz des eigenen Computers. Aktivieren Sie die Benachrichtigungsfunktion Ihres Betriebssystems für Updates und installieren Sie ein Virenschutzprogramm, das sich in kurzen Abständen regelmäßig aktualisiert. Eine Firewall kontrolliert nicht nur Daten, die der Internetnutzer herunterlädt, sondern auch die Daten, die von Ihrem Rechner ins Netz gehen, denn Spammer nutzen oft virenverseuchte Rechner zum Versenden weiterer Mails. Setzen Sie den Spam-Filter Ihres E-Mail Programms auf die höchste Sicherheitsstufe und fragen Sie bei Ihrem Provider nach dem besten Spam-Schutz. Denn unerwünschte Mails, die schon beim Provider gefiltert werden, verstopfen gar nicht erst Ihren Posteingang.
Nutzen Sie für Gewinnspiele, Newsletter und Chats eine alternative Adresse und verwenden Sie nach Möglichkeit für Ihre E-Mail-Adresse nicht den vollständigen Namen.

Denn längst stecken hinter der nervigen Belästigung durch Spamming nicht nur kommerzielle Interessen, sondern zunehmend auch kriminelle Strukturen, von denen eine erhebliche Gefahr ausgeht. Zwar gaben 99 % der Befragten bei der Umfrage der Verbraucherzentrale an, noch nie durch "Phishing" geschädigt worden zu sein, doch die betrügerischen Versuche an Kennwörter und Bankdaten zu gelangen, werden in Zukunft eher zu- als abnehmen.
 
Von Manuel Boecker