Pub statt Chat

Ohne Kontakte läuft nichts im Business. Wer die Karriere beschleunigen oder Geschäfte anbahnen will, muss unentwegt an seinem Netzwerk stricken. Doch Achtung: Wer nur im Web Fäden zieht, muss aufpassen, nicht ausgemustert zu werden.

Networking makes the world go round. Dieser Eindruck lässt sich nicht verhehlen, wirft man einen Blick auf einschlägige Portale. Gestandene Leute preisen sich dort an, als wollten sie ihre Haut zu Markte tragen. Kritiker bezweifeln schon, dass der "digitale Table-Dance" tatsächlich den Erfolg zeitigt, den sich immer mehr virtuelle Networker so sehnlichst von ihrem Online-Engagement erhoffen. Eine aktuelle Studie von Vodafone sorgt nun für weiteren Zündstoff.

Der britische Mobilfunker hörte sich auf der Insel in Managerkreisen um und kam zu überraschenden Ergebnissen. Dies vorweg: In großer Mehrheit legen Führungskräfte überhaupt keinen Wert aufs modische Daddeln. Googeln, chatten - Fehlanzeige. Lieber trifft man sich beim Bier in der Eckkneipe oder zum Scotch im exklusiven Club. Londoner Restaurants der gehobenen Kategorie sind wie eh und je Lieblingstreff für Kundengespräche und Managementmeetings.

Für nahezu jeden zweiten britischen Manager ist das Geschäftsessen tragendes Element seiner Netzwerkpflege. Während jeder vierte Boss für wichtige Gespräche einen Club aufsucht, behaupten immerhin zehn Prozent der von Vodafone befragten 1.100 Geschäftsleute, die erfolgreichsten Unterredungen auf dem Golfplatz zu führen. Jede dritte britische Führungskraft sucht aus diesem Grund auch einen Pub auf.

So gesellig sich britische Führungskräfte geben, so konservativ verhalten sie sich bei der Mediennutzung. Weit mehr als die Hälfte favorisiert das Telefon, als das wichtigste Werkzeug, bei der Kontaktpflege. E-Mail oder andere Kommunikationsmittel rangieren weit abgeschlagen. Aus gutem Grund: Mit jemandem ein Geschäft anzubahnen, den er noch nie gesehen hat, ist für jeden fünften Manager tabu. Jeder Vierte will wenigstens zuerst mit einem potentiellen Geschäftspartner telefonieren, ehe er zur Sache kommt.

LinkedIn, Xing - völlig am Markt vorbei geplant? Sicherlich nicht. Es ist vor allem die jüngere Generation, die sich ihr Netzwerk auch virtuell erschließt. Das zeigt auch die Vodafone-Studie. Je jünger die Manager sind, desto eher nutzen sie auch moderne Kommunikationsmittel für ihre geschäftlichen Belange. Greifen die über 40-jährigen noch am liebsten zum Hörer, um mit Kunden zu verhandeln, kommuniziert bereits jeder zweite Nachwuchsmanager per E-Mail.

Während die alte Garde des Managements den persönlichen Kontakt favorisiert und sich unverändert des Telefons bedient, zeigen jüngere Führungskräfte durch ihre Verwendung moderner Instrumente, wie sehr sie die Vorteile der asynchronen Kommunikation schätzen. Sie sind nicht "Sklaven des Telefons", sondern daran interessiert, sich effektiv und unabhängig von Ort und Zeit zu verständigen. Doch danach hatte Vodafone erst gar nicht gefragt.
 
Von Max Leonberg