Promotion und MBA sind keine Karrieregarantie

Der Master of Business Administration (MBA) gilt als Eintrittskarte in die Beraterwelt, und dem promovierten Naturwissenschaftler winken beste Perspektiven in der Industrie. Doch höhere Weihen machen sich nicht immer bezahlt.

Zügig studieren und mit dem Doktorhut in die Forschung - so lautet der typische Werdegang vieler Naturwissenschaftler. Aber nach Jahren voller Gehirnakrobatik folgt die überraschende Erkenntnis: Ich bin ja nur einer von vielen. Auf Hirnbiologie folgt Schweinezyklus - der Personalmarkt wird geradezu überschwemmt mit Naturwissenschaftlern.

Wie bei der Promotion liegen auch beim MBA Wunsch und Wirklichkeit oft weit auseinander. Wer nach einigen Jahren beruflich Fuß gefasst hat und sich mit einem MBA für anspruchsvollere Aufgaben inklusive Gehaltssprung empfehlen möchte, weiß vor lauter Studienangeboten gar nicht, Sinnvolles von Unsinnigem zu unterscheiden. Eine Hilfe bieten Rankings, wie sie etwa die Financial Times jährlich präsentiert. Das Problem: Schon aus Kostengründen nehmen viele Interessenten von den international renommierten Programmen Abstand oder begnügen sich mit einem "Schmalspur-MBA": kostengünstig, aber denkwürdigen Inhalts.

So gibt es bereits MBA-Programme für Human Resources (HR), Logistik oder IT. Vor allem Fachhochschulen versuchen so, sich aus dem vielstimmigen Weiterbildungskonzert abzuheben. Das findet nicht nur Beifall. Statt die Führungsqualitäten der Unternehmensleiter von morgen zu stärken, "werden Management-Tools trainiert", übt Bernhard Schmid heftig Kritik. Der Münchener Unternehmensberater, heute Beirat zahlreicher Firmen und einstiger Vorstand eines börsennotierten Konzerns, hat seinen MBA an der niederländischen NIMBAS Universität erworben - und ist mit dieser Qualifikation ins Top-Management vorgerückt.

Sich erneut für zwei oder drei Jahre auf die Schulbank zu setzen, ohne aus dem Beruf auszuscheiden, ist aller Ehren wert. Erfolg versprechend ist das Büffeln nicht unbedingt. Werden mit dem MBA allen voran wirtschaftliche Ziele verfolgt, die für viele Absolventen letztlich doch nur Wunschtraum bleiben, ist die Promotion bis auf wenige Ausnahmen dem persönlichen Erkenntnisdrang zu verdanken. Hier sucht jemand Meisterschaft im Speziellen, der MBA hingegen verspricht Exzellenz auf allen betriebswirtschaftlichen Ebenen.

Die Zeiten, als Promotion und MBA noch Aufstieg und Gehaltssprünge garantierten, sind vorbei. Zwar werden naturwissenschaftliche Absolventen ohne Doktortitel in der Chemieindustrie und anderen forschungsintensiven Wirtschaftsbereichen heute erst gar nicht mehr zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Eine verlässliche Aufstiegshilfe jedoch bietet die Promotion ebenso wenig wie der MBA, der gemeinhin als Karriereticket im internationalen Business gilt. Während immer mehr Absolventen um wenige Positionen konkurrieren, ist der Wert des MBA längst in den Sinkflug übergegangen.

Doch nicht alle Müh sei vergebens. Wer derart qualifiziert ist und sich durch intensive Weiterbildung - wenn auch nur auf dem Papier - Meriten erworben hat, kann zumindest frohgemut in die Zukunft blicken. Schließlich stärkt er damit seine "Aufenthaltsberechtigung im Beschäftigungssystem". Wie Forscher ermittelt haben, kann nicht nur länger arbeiten, wer sich ein Leben lang weiterbildet. Ihm winken ab 60 auch die am besten dotierten Jobs.
 
Von Winfried Gertz