Prokrastination - Ablenkungsmanöver erfolgreich umgehen

Unruhe im Großraumbüro, schlechtes Raumklima oder auch einfach keine Lust zu arbeiten - Gründe, sich vor der Arbeit zu drücken, gibt es viele. Kleine Pausen sind in Ordnung - solange sie sich nicht zur krankhaften Prokrastination, der chronischen Aufschieberitis, auswachsen.

Psychologen aus Deutschland und den USA fanden heraus, dass fast jeder Fünfte auf der Welt von Prokrastination betroffen ist. Nicht alle müssen sich deshalb gleich einer Verhaltenstherapie unterziehen - aber wer bemerkt, dass er statt zu arbeiten immer häufiger mit den Kollegen plaudert, ziellos im Internet surft oder alle paar Minuten sein Handy auf Kurznachrichten hin überprüft, sollte sich Gedanken machen, wie er wieder produktiver werden kann. "Manchmal kann Ablenkung ganz sinnvoll sein", beruhigt Diplom-Psychologe Hans-Werner Rückert alle, denen Pausen ein schlechtes Gewissen machen.

Pausen und kleine Belohnungen für erledigte Arbeit
"Nach spätestens eineinhalb Stunden konzentrierter Arbeit braucht das Hirn eine kurze Auszeit." Dabei sollten sich die Tätigkeiten in der Pause von den beruflichen Aufgaben unterscheiden. Wer also 90 Minuten am Computer gearbeitet hat, sollte zur Erholung nicht auch noch im Web unterwegs sein.

Problematisch wird es, wenn die Pausen überhand nehmen und man sich gar nicht mehr auf die Arbeit konzentriert. "Manche Menschen lassen sich schneller ablenken als andere", erklärt Rückert, der die Psychologische Beratung an der Freien Universität Berlin leitet und sich häufig mit dem Thema Prokrastination beschäftigt. Seine wichtigsten Tipps zur besseren Konzentration: E-Mail-Programm, Internet, Handy und andere störende Kommunikationsmittel während der Arbeit ausschalten. "Mit dem Abrufen von E-Mails oder dem Senden einer SMS kann man sich anschließend regelrecht für die produktive Arbeit belohnen."

Arbeitsjournal für effizientes Arbeiten
Wer seine Konzentration nicht mehr im Griff hat, sollte laut Rückert ein Arbeitsjournal erstellen, in das jeder ablenkende Impuls eingetragen wird. Fällt einem mitten in einem Arbeitsprozess ein, dass man noch dringend jemanden anrufen will, schreibt man dieses anstehende Telefonat ins Journal, sodass der störende Impuls aus dem Sinn ist. "Damit signalisiert man seinem Gehirn: Ja, das Telefonat wird erledigt, aber nicht jetzt!", erklärt Rückert. Das Führen eines solchen Tagebuchs muss man lernen - aber wer sich selbst gut beobachtet, wird schnell merken, wo die schlimmsten Konzentrationskiller stecken.
 
Von Sabine Olschner