Prävention und Gesundheitsförderung im Betrieb

Zwei Bedingungen stellt jeder Mensch an seinen Arbeitsplatz. Er sollte möglichst sicher sein und nicht die Gesundheit ruinieren. Doch das bleibt für viele Beschäftigte ein frommer Wunsch.

Laut einer Studie der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) erwarten 61 Prozent der EU-Bürger, dass sich die Wirtschaftskrise negativ auf ihre Arbeitsbedingungen auswirkt. In Deutschland liegt die Quote mit 57 Prozent knapp darunter. Bei der vom TNS Infratest durchgeführten Umfrage wurden rund 27.000 Menschen aus allen EU-Mitgliedsstaaten befragt.

Richtige Arbeitsbedingungen beeinflussen die Produktivität
Bezogen auf das Bildungsniveau weichen die Ergebnisse voneinander ab. Während 69 Prozent der einfach qualifizierten Beschäftigten sich um ihre Arbeitsbedingungen sorgen, erwarten nur 53 Prozent mit höheren Abschlüssen eine Verschlechterung. Befragt nach den Ursachen für gesundheitliche Probleme verweisen 75 Prozent der deutschen Beschäftigten auf ihren Arbeitsplatz. Für 45 Prozent entscheiden gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen sogar die Arbeitsplatzwahl.

Insbesondere Muskel- und Skelett-Erkrankungen (MSE) spielen in der Arbeitswelt eine entscheidende Rolle. Sie gelten als Volkskrankheit. Nach Diagnosegruppen führen sie mit einem Anteil von 24 Prozent seit Jahren die Statistiken der Arbeitsunfähigkeitstage an. Wie Rolf Ellgast, Leiter für Arbeitsschutz und Ergonomie der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), vor der Presse in München erläuterte, gehen jährlich rund 26.000 Frühverrentungen auf das Konto von MSE. Der so ausgelöste Produktionsausfall kostet Arbeitgeber etwa 9,5 Milliarden Euro im Jahr.

Unternehmen zeigen Verantwortung
Über die letzten fünf Jahre gesehen scheinen Unternehmen die Arbeitsplatzsicherheit ernst genommen zu haben. So zumindest urteilt die Mehrheit der Beschäftigten. Knapp 60 Prozent der Deutschen nimmt eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen zur Kenntnis. So kommt es nicht von ungefähr, dass gezielte Prävention sowie entsprechende Korrekturen in der Arbeitsplatz- und Arbeitsablaufgestaltung auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen nachhaltig wirken. Forschungsprojekte der DGUV in Textilunternehmen geben darüber hinreichend Aufschluss. Bei einem Branchenbetrieb gingen die Arbeitsunfähigkeitstage nach ergonomischer Umrüstung von etwa 40 Näharbeitsplätzen um 16 Prozent zurück, gleichzeitig erhöhte sich die Produktivität um rund 15 Prozent.

Diese Resultate veranlassten auch den Autobauer BMW, seine Näharbeitsplätze in einem Münchner Werk anzupassen. Laut Michael Mohrlang, Schwerbehinderten-Beauftragter und Leiter des Ergonomie-Büros, sei dies ein Beispiel für weitere langfristig wirkende Maßnahmen. So wurden im Münchner Werk Millionensummen in zweistelliger Höhe in Schwenkmontage-Konzepte investiert, welche die Beschäftigten vom bisher erforderlichen Heben und Bücken befreien. Zudem wurden Montagebereiche mit üppigem Grünpflanzenbewuchs ausgestattet, um das Arbeitsklima positiv zu beeinflussen. Viele Unternehmen müssen ihren Arbeits- und Gesundheitsschutz laut Mohrlang künftig deutlich aufwerten. Aus einem schlichten Grund: "Bald ist jeder dritte Mitarbeiter von BMW über 50 Jahre alt."
 
Von Winfried Gertz