Personifizierte Talentfreiheit

Ja, ich weiß, überall wird darüber berichtet, geschrieben oder gesprochen und trotzdem (oder gerade deswegen) komme auch ich nicht drum herum: DSDS - Deutschland sucht den Superstar.
Und jetzt geben Sie es doch zu, Sie gucken es auch!

Klar, mittlerweile gibt es fast nichts, was wir nicht schon alle gesehen hätten und keinen Bohlen-Spruch, den wir so oder so ähnlich nicht schon einmal gehört haben. Ist ja aber auch egal, denn diese Mischung aus Schamgefühl und Schadenfreude, aus Ungläubigkeit oder Mitleid, die gibt es sonst nur selten, hier aber gleich am laufenden Band.
Und auch wenn ich durchaus nachvollziehen kann, dass sich Menschen Gedanken darüber machen, ob man die Kandidaten in dem Maße bloßstellen sollte, wie man dies regelmäßig tut, so muss man bei einigen dann doch stark an deren Selbstwahrnehmung und Intelligenz zweifeln. Natürlich, "Scheiße zu singen, ist auch ne Begabung" und eine gehörige Portion Selbstbewusstsein ist auch nicht verkehrt, allerdings muss man sich als Kandidat dann auch nicht wundern, wenn einem das mitgebrachte Gesangszeugnis mal kurz umgeschrieben wird: "Töne treffen 6. Ausdruck 6. Titelauswahl 6. Durchgefallen." Patsch, das saß.

Bei vielen ahnt man als geübter Zuschauer auch schon, was denn wohl so ungefähr kommen mag. Und so paddeln die meisten doch tatsächlich ziemlich weit an der "Perfekten Welle" vorbei und dürfen (völlig zu Recht) "direkt wieder abhauen", denn da "können nur noch Ärzte helfen". Und dass sich niemand in der Jury sein Lieblingslied "kaputt singen" lassen möchte, ist doch nur allzu verständlich.

Nein, auch in diesem Jahr wird gar nicht erst versucht, DSDS als anspruchsvolle Unterhaltung darzustellen und das ist auch gut so. Hier werden die Dinge noch ohne drum herum zu reden auf den Punkt gebracht. So weiß jeder ganz genau, was ihn erwartet, schaltet ein oder halt nicht und die, die es tun, lernen nebenbei noch, das "auf Umarmen armen" zu reimen, doch ziemlich "arm" ist. Danke, Dieter.
 
Von Sabrina Clemens