Personaler mit ambitionierten Zielen

Immer mehr Personalverantwortliche wollen raus aus der Ecke und mitten hinein ins Entscheidungszentrum. Ein steiniger Weg, schließlich gilt der Personaler gemeinhin als Bürokrat, weit entfernt von jeglicher Businesskompetenz.

Doch das soll sich bald ändern, hieß es auf dem "1. Zukunftsforum Personal" in München. Personaler, die sich in der betrieblichen Rangordnung nach vorn arbeiten wollen, können an verschiedensten Stellen ansetzen. Sucht der eine Exzellenz im Beherrschen administrativer Aufgaben, sieht sich der andere eher als Berater von Führungskräften. Wiederum andere profilieren sich als "Change Agent" oder "Business Partner" - freilich mit wechselndem Erfolg. Der Druck, den ihnen tatsächlich zustehenden Platz zu finden, war unter Personalern nie so groß wie heute. Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Deutschen Telekom: "Selbstbewusste Personaler sind Mangelware. Deshalb werden auch so viele entlassen." Was fehlt, ist eine durchgreifende Markenstrategie. "Personalarbeit als Beitrag zur Wertschöpfung", heißt das im Personal-Chinesisch. Im Klartext: Der Vertriebschef hat verstanden, dass ein Verkaufstraining tatsächlich den Absatz in die Höhe treibt. Und Controller diskreditieren die Personalarbeit nicht länger als Kostenfaktor. Machen wir uns nichts vor: Davon ist das Personalmanagement noch ziemlich weit entfernt.

Die Gründe, weshalb sich Personaler so schwer tun, ihren Ruf aufzumöbeln, sind oft hausgemacht. "Personaler knicken schnell ein", beobachtet der Münchener Psychologieprofessor Dieter Frey. Statt beherzt Position zu beziehen und Kanten zu zeigen, überwiegt die Sehnsucht nach Harmonie. In solchen "Biotopen", charakterisiert Frey die Personalerszene, könnten sich keine "Originale" entwickeln, die den Mut aufbringen, "außer Kontrolle geratenen Führungskräften die Personalverantwortung zu entziehen". Laut Frey ist es an der Zeit, das zuhauf penetrierte Motto "Unsere Mitarbeiter sind der Schlüssel zum Erfolg" endlich mit Leben zu füllen. Wenn der Mensch tatsächlich im Mittelpunkt stehe, dann sei niemand besser geeignet als der Personaler, für "konzeptionelle Klarheit" zu sorgen. Nur er könne Sehnsüchte ansprechen und Sinn vermitteln. Und wer sollte das sein? "Wendehälse, Opportunisten und Charakterschwache, die schlecht über andere reden", stellte Frey klar, "sollte man jedenfalls nicht für Personalfunktionen rekrutieren".

Mit seinem Personaler-Ideal eckte Frey bei vielen Kongress-Teilnehmern an. "Auf welchen Bäumen wachsen denn diese Menschen", fragte ein Personalmanager. "Wir brauchen nicht nur Zivilcourage", monierte ein anderer, "sondern vor allem Frustrationstoleranz". Ohne langen Atem sei vieles im Personalmanagement überhaupt nicht durchzusetzen. So komme man nicht weiter, entgegnete Frey. "Statt zu jammern müssen Personaler Erfolge feiern wie man bei Verkäufern oder Controllern lernen kann." Was ist zu tun? "Wir dürfen nicht die Homebase aufgeben, um anderen hinterher zu laufen", mahnte Karl-Heinz Stroh, Personalchef der DB Netze AG. "Wir müssen mehr Entrepreneur sein, obwohl wir damit rechnen müssen, schnell unseren Job zu verlieren", skizzierte Heinz Oesterle, Personalmanager der Siemens AG, das ganze Dilemma. Wie man aus dieser Zwickmühle herauskommt, dies ließ das "1. Zukunftsforum Personal" weiter offen.
 
Von Winfried Gertz