Personaler-Image im Keller

Umfragen über den Ruf von Personalabteilungen haben meist einen wunden Punkt: Sie fassen zusammen, was Personaler glauben, was andere über sie denken. Klar, dass hier der Wunsch oft Vater des Gedankens ist. Eine aktuelle Studie lässt nun Mitarbeiter zu Wort kommen. Ergebnis: Das HR-Image ist denkbar schlecht. Vor den Personalern liegen viele Hausaufgaben.

Welche Rollen beherrschen Personaler gut, welche Aufgaben meistern sie vorbildlich, wie ist es um ihre Service- und Kundenorientierung bestellt? Die Umfrage der Fachhochschule Koblenz hat es in sich. Und sie räumt mit irrigen Annahmen auf, worin professionelle Personalarbeit tatsächlich bestehen sollte. Dies vorweg: Der klassische Personaler, der sich mit der Gehaltsabrechnung auskennt und einen unkomplizierten Umgang mit Mitarbeitern pflegt, kommt gut weg. Wer aber glaubt, zu Gunsten von Führungskräften und der Chefetage den Kontakt zur Belegschaft zu vernachlässigen, wird mit schlechten Noten abgestraft.

Starke Verwalter
61 Prozent der Befragten sind der Überzeugung, dass Personaler die administrative Rolle am besten beherrschen. Umgekehrt sind sie in allen zusätzlichen Rollen, die vor allem in den letzten Jahren betont wurden, glatte Fehlbesetzungen. Zwei von drei Befragten sagen, Personaler überzeugen weder als Business-Partner noch als Change Agent oder Mitarbeiter-Coach. "Der Personaler, der sich mit Vergütungs- und Sozialversicherungsthemen auskennt, wird von Mitarbeitern am meisten geschätzt", so Christoph Beck, Professor für Personalmanagement an der FH Koblenz und für die Studie verantwortlich.

Dieses Bild wird durch die Beurteilung der Aufgaben bestätigt, die Personaler ausüben sollten. Vier von fünf Befragten sagen, Personaler überzeugten bei Entlohnungsfragen. Weniger als die Hälfte attestiert der Personalabteilung jedoch Marketingkompetenz. Und geht es um Nachhaltigkeitsthemen, etwa die Vereinbarung von Arbeit und Beruf oder Gesundheitsfragen, werden Personaler noch schlechter bewertet.

Schwache Strategen
Auch die Ergebnisse über die Service- und Kundenorientierung der Personalabteilung dürften manchem Verantwortlichen schlaflose Nächte bereiten. Zwar wird der zentralen Stelle eine gute Erreichbarkeit zugeschrieben. Doch nur jeder Dritte meint, HR wisse um den tatsächlichen Personalbedarf in den einzelnen Unternehmensbereichen und sei auch mit den Bedürfnissen von Mitarbeitern vertraut. Dass Personaler für die meisten Beschäftigten "kompetent, sympathisch und vertrauenswürdig sind, aber kaum als modern, strategisch oder innovativ" angesehen werden, dürfte ebenfalls den Erfolg von jüngst gestarteten Neuprofilierungsversuchen in HR-Kreisen in Zweifel ziehen. "Dass Personaler vor allem nett sein sollen", fasst Beck zusammen, "zeigt deutlich, woran es hapert."

Laut Beck müssten Personaler deutlich stärker als bisher in die Offensive gehen. Viele leisten demnach hervorragende Arbeit, nur erfahre davon niemand. "Sie müssen ihre Aufgaben erlebbar machen", fordert Beck. Doch dies könnte ein Drahtseilakt werden: Kippt die stärkere Selbstvermarktung um in Schaumschlägerei, ist es um die Glaubwürdigkeit von Personalern geschehen.
 
Von Winfried Gertz