Outplacement - Entlassung auf die sanfte Tour

"Hire and fire" ist durch und durch amerikanisch. Allein schon von Rechts wegen ist es in Deutschland nicht möglich, Mitarbeiter über Nacht zu schassen. Umgekehrt können Firmen, die nicht an Entlassungen vorbeikommen, sich sogar als gute Ex-Arbeitgeber erweisen und durch Outplacement ihren ehemaligen Beschäftigten die Tür zu neuen Jobchancen eröffnen. Damit senden sie auch eine Botschaft nach innen: Wir lassen niemanden fallen.

Outplacement, also die Methode, sich auf sanfte Tour von Mitarbeitern zu trennen, erlebte im Krisenjahr 2009 einen kolossalen Aufstieg. Weil sich immer mehr Unternehmen Mühe geben, sich fair von Beschäftigten zu trennen, stieg die Nachfrage nach Outplacement um 100 Prozent an, teilt die auf Outplacement und Beschäftigtentransfer spezialisierte Bonner Wirtschaftsakademie (BWA) mit.

Unterstützung durch den Arbeitgeber zahlt sich aus
Outplacement wird vom Arbeitgeber bezahlt. Ehemalige Mitarbeiter werden hierbei unterstützt, auf sie zugeschnittene Berufsperspektiven zu erkunden und sich professionell zu bewerben. Unternehmen, die per Outplacement eine faire Trennungskultur praktizieren, signalisieren ihren Mitarbeitern, dass sie in dieser belastenden Situation nicht alleine gelassen werden. Diese Unterstützung zahlt aus, wie eine BWA-Umfrage herausfand. Drei von vier der befragten Personal- und Arbeitsmarktexperten sind der Meinung, dass sich die Ausübung der sozialen Verantwortung des Unternehmens positiv auf das Betriebsklima und die Produktivität der verbliebenen Mitarbeiter auswirkt.

Dieser Effekt schlägt sich auch in der Kooperation mit Arbeitnehmervertretern nieder. Immerhin 55 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich Reibungsverluste durch Outplacement in Grenzen halten und das Konzept unter Betriebsräten sogar auf Zustimmung stößt. Auch betriebswirtschaftlich kann Outplacement überzeugen. Zwei von drei Befragten finden die Einsparung von Kosten für Abfindung und Freistellung richtig und wichtig.

Freilich kommen bislang vor allem Führungskräfte in den Genuss von Outplacement. Zwei Drittel der Befragten sagen, Outplacement werde erst bei einem Jahresgehalt ab 100.000 Euro eingesetzt. Für Beschäftigte ohne Leitungsaufgaben hat sich dieses Instrument noch nicht etabliert. Nicht einmal zehn Prozent der Unternehmen bieten demnach Outplacement auch unterhalb der Führungsebene an.
 
Von Josef Bierbrodt