Ökos gründen Start-up des Jahres

New Economy reloaded - Als hätte es den großen Knall nie gegeben, schießen inzwischen wieder Internet-Start-ups wie Pilze aus dem Boden. Bei einem Gründerwettbewerb erteilten nun Passauer Müslimixer der Konkurrenz das Nachsehen.

"Leise schnieselt der Re-Aktionär seinen Tee", reimten die 68er. Heute kommt man mit Kapitalisten-Bashing keinen Deut weiter. Erfolg versprechender ist vielmehr: "Hallo, wir machen Müsli." Exakt mit dieser "Kompetenzaussage" gelang es den Passauer Internetfreaks von Mymuesli.de, sich zum Deutschen Start-up des Jahres krönen zu lassen. Den Kürzeren zogen etwa die Kleinkreditplattform Smava, die Shopping-Community Brands4friends und die Schnäppchenjäger von Luupo.

Die aus Web-Unternehmern und Online-Journalisten bestehende 24-köpfige Jury des Gründerwettbewerbs Deutsche-Startups.de musste sich zwischen zehn nominierten Internetfirmen entscheiden. Zuvor hatten Hunderte User Vorschläge eingereicht und in Foren heftig über die einzelnen Ventures diskutiert. Wichtig war der Jury, bloß keine vermeintlichen Shooting Stars zu produzieren, die jüngst wie Combots oder das von Web.de ins Leben gerufene Social Networking-Portal Unddu.de kläglich an ihren überambitionierten Zielen scheiterten.

Gegenüber den Müslimixern aus dem niederbayerischen Dreistromland hielten sich die Vorbehalte in Grenzen. Ihre Geschäftsidee einer Wunsch-Müsli-Fabrik heimste immerhin jede zweite Jurystimme ein. Iim Frühjahr 2007 gegründet, haben die drei jungen Chefs Hubertus Bessau, Philipp Kraiss und Max Wittrock schon für ordentlich Aufsehen gesorgt. Nach eigenen Angaben zählt das Trio bereits 15.000 Kunden, für die Cerealien nach individuellen Vorlieben zusammengestellt werden.

Keine Frage - wer seinen Tag mit einem guten Frühstück beginnt statt sich zuerst an der Kippe festzuhalten oder an Nahrungsaufnahme frühestens in der Mittagspause zu denken, tut nicht nur seinem Körper einen großen Gefallen. Gesund und locker drauf, am besten mit einem Müsli von echtem Schrot und Korn - das kommt an in einer Zeit, wo Wellness und Coolsein den Unterschied machen. Und genau in diese Mischung aus Befindlichkeit und latentem Bedürfnis, dazu zu gehören, stoßen die Müslimixer vor.

Wählen können ihre Kunden aus etwa 70 Zutaten wie Walnusskernen, Datteln oder Bananenchips, die mit neun Basismischungen zusammengerührt werden. Wer mag, kann sich auch Mangostückchen oder gar Gummibärchen zum Frühstück bestellen. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" errechnete, sind etwa 560 Billionen Müslivarianten möglich. Fakt ist: Diese Auswahl bekommt man nirgends.

Und so kommt es nicht von ungefähr, dass die drei Twens, die dank ihrer BWL- und Jura-Examen immerhin theoretisch mit dem Grundgerüst einer Firmengründung vertraut sind, mit Lob überschüttet werden. Natürlich ist das Geschäftsmodell "innovativ" und birgt die Chance, "auch international erfolgreich" zu sein. Und in der Tat ist Mymuesli.de kaum von Werbung abhängig, da Kunden schneller als erwartet bereit sind, happige Preise für ihr Frühstück zu bezahlen. Rollt erst der Rubel, stehen die Investoren Schlange. Na dann, Prost Mahlzeit!
 
Von Josef Bierbrodt