Öffentliche Verkehrsmittel - Verspätung mit System

Vor zwei Wochen ist es passiert: Mein Auto ist kaputt gegangen! Das allein ist schon schlimm genug, viel schlimmer sind aber die Konsequenzen, die sich daraus noch ergeben. Da ich kein Fahrrad besitze - und wenn ich es hätte, ich es nicht benutzen würde - und der Fußweg zur Arbeit, Uni, Innenstadt, etc. völlig unzumutbar ist, bedeutet das, auf die öffentlichen Verkehrsmittel umzusteigen. In meinem Fall heißt das: Bus fahren.

So eine Busfahrt ist schon etwas ganz besonderes, vor allem dann, wenn man nicht hin und wieder mal, sondern täglich mit dem Bus fährt und auf diesen angewiesen ist.
Das Prozedere beginnt schon an der Haltestelle. Zunächst einmal hat man Glück, wenn überhaupt ein Fahrplan vorhanden ist. Das wiederum heißt allerdings nicht, dass dieser auch eingehalten wird. An das Warten muss man sich also zwangsläufig gewöhnen, besonders bei starkem Wind und Regen beginnt der Tag also schon mit einer großen Portion Spaß.

Warum Rentner so gerne Bus fahren
Dieser wird dann mit der Fahrt im Bus noch mal gesteigert. Zunächst einmal ist da diese riesige Geruchspalette: Das penetrante Parfüm der aufgetakelten Blondine vor mir, der gute alte Schweißgeruch all derer, die heute mal wieder auf jegliche Körperhygiene und die Benutzung eines Deos verzichtet haben sowie zu guter Letzt die Alkoholfahne des Mannes hinter mir. Die Freude über den hart erkämpften Sitzplatz ist damit meist nur von kurzer Dauer, denn mein Nachbar hat leider auch einen. Bereits kurz nach dem Einsteigen bin ich also leicht gereizt. Dieser Gestank macht mich einfach verrückt. Hinzu kommt die laut plärrende Musik (oder so was ähnliches) aus den MP3 Playern der "Generation Doof" (zumindest was ich darunter verstehe) aus der hintersten Reihe. Diese raubt mir auch noch den letzten Nerv.

Aber auch ältere Menschen fahren häufig mit dem Bus. Und manchmal habe ich den leisen Verdacht, dass sie das vor allem aus einem Grunde tun: Sowohl die Haltestelle als auch der Bus eignen sich hervorragend für ein kleines Pläuschchen. So beruhigte mich kürzlich eine ältere Dame, nachdem ich bereits seit 20 Minuten auf den Bus gewartet und gefühlte 370 Mal auf meine Uhr gesehen hatte: "Ach, der kommt schon noch. Das liegt an der ollen Baustelle da hinten. Letzte Woche ..." Und zwei Tage später erzählte mir eine andere ältere Dame, die sich auf den Platz neben mir gesetzt hatte von einer sehr netten Verabredung mit einem "sehr netten Herrn" als wir an dem Ort ihres "Dates", einem kleinen Café, vorbei fuhren. Jaha, im Bus kann man schon was erleben!

Gerade hat übrigens die Werkstatt angerufen: Morgen kann ich ENDLICH mein Auto wieder abholen! Mit dem Bus, versteht sich ...
 
Von Sabrina Clemens