Nicht ohne Foto bewerben

Seit das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Kraft getreten ist, tun Unternehmen alles dafür, Bewerber möglichst objektiv zu beurteilen. Das hat auch Auswirkungen auf das Bewerbungsfoto, von dem in Stellenanzeigen nicht mehr die Rede ist. Das Gesetz will, dass nicht ein Foto, sondern allein die Fakten über den bisherigen Werdegang den Ausschlag geben. Doch die Botschaft kommt nicht an. Nach wie vor schicken Bewerber ihre Lichtbilder einfach mit.

AGG? Noch nie gehört! Bewerber kümmern sich kaum um die neuerlichen Vorschriften. Wer Unternehmen auf ihre Erfahrung mit Bewerbern anspricht, stößt auf Verwunderung. Während sie ihre Rekrutierungsabläufe wegen des Gesetzes umkrempeln, um sich vor möglichen Schadenersatzansprüchen zu schützen, lässt das AGG Bewerber einfach kalt.

Bewerbungsfoto kein Muss, aber ein vorteilhaftes Kann
Den Begriff „Foto“ sucht man auch in den Stellenanzeigen der Allianz vergeblich. Wer sich online bewirbt und dabei eine vorbereitete Dialogmaske auf der Homepage nutzt, hat gar keine Chance, ein Foto beizufügen. Laut Sprecher Ulrich Hartmann kommt es nicht darauf an, ob Bewerber Fotos einreichen. Allein die Fakten zählen, so Hartmann: „Was ein Bewerber an Qualifikationen und Erfahrungen mitbringt.“

Doch dem Braten trauen viele Bewerber nicht. Ihnen sagt der gesunde Menschenverstand, dass der persönliche Eindruck, den ein Foto zweifellos hinterlässt, nicht von der Hand zu weisen ist.

Professionelle Bewerbungsfotos erwecken bei deutschen Betrieben einen guten Eindruck
Überhaupt scheinen die Unternehmen allmählich zu begreifen, dass sie sich womöglich zu viel Mühe gegeben haben, um angesichts der Vorschriften bloß nichts falsch zu machen. Auch bei der Behandlung von eingereichten Lichtbildern lässt man die Kirche im Dorf. Ein gutes Bewerbungsfoto verankert Sympathie bei den Entscheidern, selbst wenn das unter dem Eindruck des AGG nicht zugegeben wird. „Mit einem Foto verkauft man sich einfach besser“, findet auch die Düsseldorfer Karriere- und Outplacementberaterin Cornelia Riechers. „Wer seiner Bewerbung ein Foto beifügt, kann davon ausgehen, dass die Resonanz stets viel höher ausfällt als ohne Foto.“

Niemand wird ernsthaft bezweifeln, dass ein Foto der Bewerbung eine besondere Note verleiht. Insider bestätigen, dass in den Personalabteilungen auch so gedacht wird. Wer Fotos erwartet, aber Bewerbungen ohne Fotos erhält, wählt einfach andere aus. In den USA sind Bewerbungsfotos verpönt, und auch in England, Frankreich und Spanien gilt es als unschicklich, sich so zu präsentieren. Doch hier ticken die Uhren einfach anders, wie Riechers betont: „Bewerber tun sich keinen Gefallen, wenn sie bewusst auf ein Foto in ihren Unterlagen verzichten.“
 
Von Winfried Gertz