Neue Studie: Facebook-User fallen im Studium zurück

Den Hype um Social Communities wird eine Studie der Ohio State University gewiss nicht aufhalten. Freilich wird sich der eine oder andere Examenskandidat nunmehr genau überlegen, ob er seinen Rechner unbedingt bei jeder sich bietenden Gelegenheit zum Chatten hochfahren muss. Fakt ist: Facebook-Nutzer haben einfach schlechtere Zensuren.

Schnell eingeloggt, und schon kann die Dampfplauderei losgehen. Neue Leute auf Facebook, MySpace und Co. kennen zu lernen und rund um die Uhr mit ihnen in Kontakt treten zu können, ist einfach cool. Nur: Die virtuelle Quatschbude beansprucht viel Zeit. Für Studenten einfach zu viel Zeit, die ihnen im Zweifelsfall für wichtigere Dinge fehlt. "Wir fanden heraus, dass zwei Drittel der Studenten sich jeden Tag in Facebook einwählen", sagt Studienleiterin Aryn Karpinski von der Ohio State University. "Viele loggen sich mehrmals täglich ein und verbleiben viel länger als ursprünglich geplant auf der Seite."

Im Vorfeld von Prüfungen sägen Facebook-User am Ast, auf dem sie sitzen. Statt diszipliniert zu lernen und Störungen von sich fernzuhalten, werden sie regelmäßig vom Wunsch überfallen, sofort nachzuschauen, ob eine neue Mail zu beantworten ist und welche netten Leute sich mit Foto ins persönliche Netzwerk eingeklinkt haben. "Als ich mich in der Bibliothek ertappte, wie ich bei der Arbeit an einem Essay ständig Facebook aufrief, entschloss ich mich, den Account zu löschen", erinnert sich eine Studentin, die gerade noch die Kurve kriegte. 219 Studenten und Absolventen nahmen an der Studie teil und beschrieben ausführlich ihren Umgang mit Websites wie Facebook.

Mangelnde Selbstdisziplin
Die Untersuchung ergab ein aus Sicht der Facebook-User niederschmetterndes Ergebnis. Im Vergleich zu Studenten, die sich nicht in Social Communities engagieren, fielen ihre Zensuren deutlich ab. "Waren Studenten ohne Facebook-Zugang etwa A-Kandidaten, blieben Facebook-User auf B-Niveau", skizziert Karpinski die Leistungsdifferenzen. Erhielt der eine ein "B", schaffte der andere ein "C". In den USA oder in Großbritannien ist "A" die beste Note; sie erhält, wer mindestens 90 Prozent der Aufgaben löst.

Weiteres interessantes Ergebnis der Studie: 80 Prozent der Facebook-User waren überzeugt, ihre Leistungen würden nicht durchs Chatten beeinträchtigt. Viele verbrachten damit aber viel mehr Zeit, als sie annahmen. Kurz nach Veröffentlichung der Studie meldeten sich im Netz zahlreiche kritische Stimmen. Häufigste Kritik: Nicht Facebook sei Ursache von schlechteren Noten, sondern mangelnde Selbstdisziplin der Studenten. Man könnte genauso Schokolade oder die Hersteller von Süßigkeiten dafür zur Verantwortung ziehen, wenn Leute fett werden, hieß es beispielsweise. Auch das Management von Facebook ließ sich zu einem Kommentar hinreißen. "Andere Studien kommen zu gegenteiligen Ergebnissen. Studenten sind alt genug, um das richtige zu tun."
 
Von Josef Bierbrodt